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Du 873 | Februar 2017

Die Staechelin-Saga

 
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ISBN:
978-3-905931-69-3
Preis:
CHF 20.- / EUR 15.-
Status:
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Ruedi Staechelin im Gespräch mit Oliver Prange 
Nicht alle Eier im gleichen Korb 
Warum wird die Sammlung Rudolf Staechelin zweimal aus Basel abgezogen? Warum tritt Ruedi Staechelin unter Protest aus der Kunstkommission aus? Warum wird Gauguins Nafea faa ipoipo verkauft? Und warum kommt die Sammlung nicht ins Kunstmuseum zurück?

Oliver Prange
Der Van-Gogh-Streit 
Seit 1933 gab es immer wieder Diskussionen über die Echtheit der beiden Versionen des Jardin de Daubigny van Goghs; eine davon gehört der Sammlung Rudolf Staechelin. Heute ist die Authentizität beider Bilder eindeutig belegt durch eine Materialuntersuchung der Leinwand; sie wurden auf Stücke des gleichen Stoffballens gemalt. 


Christian Geelhaar
Die Entstehung der Sammlung Rudolf Staechelin
«Es ist immer meine Auffassung, möglichst hohe Qualität zu kaufen.» Die Kühnheit der Wahl von Nafea faa ipoipo von Gauguin wird heute erst deutlich, wenn man sich verge­gen­wärtigt, dass andere Schweizer Sammler wie Sidney und Jenny Brown-Sulzer oder Oskar Reinhart damals die gleichsam harmloseren Bilder aus Gauguins bretonischer Früh­zeit bevorzugen. Die Geschichte des Sammlers und der Sammlung Rudolf Staechelin. 

Georg Kreis
Die berühmte Auktion der Galerie Fischer in Luzern 1939
Die befreundeten Sammler Rudolf Staechelin und Karl Im Obersteg sind in den Dreissigerjahren in der Kunstkommission des Kunstmuseums Basel. Zusammen mit Direktor Georg Schmidt nehmen sie am 30. Juni 1939 an der denkwürdigen Auktion der Galerie Fischer in Luzern teil. Dort werden 125 Kunstwerke versteigert, die von den Nazis als entartet diffamiert sind und die deutsche Museen deshalb abstossen müssen. Die drei kaufen Werke von namhaften Künstlern.

Oliver Prange
Höhepunkt und Katastrophen: die Generation Peter Gregor Staechelin
Nach dem Tod Rudolf Staechelins 1946 gelangen die Hauptwerke seiner Sammlung als Leihgabe ins Kunstmuseum Basel. Höhepunkt ist eine Gesamtausstellung der Sammlung Rudolf Staechelin 1964 in Paris – mit den Hauptwerken Nafea faa ipoipo von Gauguin, den beiden Picassos Les deux frères und Arlequin assis sowie van Goghs La berceuse. Kurze Zeit später stürzt in Nikosia ein Flugzeug der Globe Air ab. Die Kata­strophe treibt Staechelins Sohn Peter G. Staechelin, der Aktionär der Gesellschaft ist, in grosse finanzielle Schwierigkeiten. Leih­gaben an das Kunstmuseum sollen verkauft werden. Das führt zu einem Aufruhr in der Öffentlichkeit.

Franz Meyer
Basel und Picasso 
Infolge des Globe-Air-Absturzes gerät Peter G. Staechelin in finanzielle Schwierigkeiten. Die Familienstiftung beschliesst, Leihgaben aus dem Kunstmuseum zu verkaufen. Basel setzt sich mit einem Kraftakt für den Ankauf zweier Picassos ein. Das freut Picasso, und er schenkt der Stadt weitere vier Werke. 

Ruedi Staechelin
Mein Leben mit den Bildern 
Ruedi Staechelin erzählt, wie er von der Geschichte seiner Familie von Kindheit und Jugend an beeinflusst wird 
und wie er das Erbe, das geschichtliche und das finanzielle, gern an die nächsten Generationen weitergeben möchte. 

Zeittafel

  Du 873 | Februar 2017 | Die Staechelin-Saga

Die Staechelin-Saga

Die Staechelin-Saga

Von Oliver Prange

Vor einem Jahr wurde bekannt, dass die Basler Sammlung Rudolf Staechelin Paul Gauguins Hauptwerk Nafea faa ipoipo ins Ausland verkauft hatte. Nafea gilt als das teuerste je verkaufte Kunstwerk der Welt. Das ist uns Anlass, die Staechelin-Saga zu erzählen, die sich über mehrere Generationen erstreckt und viel mit grosser Kunst, berühmten Ausstellungen, wichtigen Auktionen, aber auch mit Flugzeugabstürzen und anderen Katastrophen zu tun hat. Gregor Staechelin kam 1872 aus dem badischen Istein nach Basel, wo der konservative Katholik in der aufblühenden protestantischen Stadt am Rhein zum Erbauer ganzer Strassenzüge und Quartiere wurde. Sein ältester Sohn Rudolf Staechelin, am 8. Mai 1881 in Basel geboren, engagierte sich schon in jungen Jahren in den Betrieben des Vaters. Vor allem beim Ausbau des Elektrizitätswerks am Pisse­vache-Wasserfall bei Vernayaz im Wallis war er massgeblich beteiligt; die Familie erwarb es um 1900 und betrieb es auf eigene Rechnung. Rudolf Staechelin bewegte sich nicht in einer auffallend kunstsinnigen Umgebung, und doch liess er sich zur Zeit des Ersten Weltkrieges durchaus mit strategischer Vorgehensweise Bilder zusammentragen, die heute grossenteils als Meisterwerke gelten. Ein Ring von bedeutenden Kunsthändlern, welche die hohen Ansprüche des Sammlers kannten, kaufte für ihn Bilder von van Gogh, Picasso, Hodler, Gauguin, Pissarro, Renoir, Manet, Monet, Cézanne und vielen anderen. 1931 errichtete Rudolf Staechelin eine Familienstiftung, in die er seinen Kunstschatz einbrachte: Werke französischer, schweize­rischer und deutscher Künstler sowie ostasiatische Skulpturen, antike Möbel, römische Gläser, Stein- und Tontöpfe. 1946 verstarb Rudolf Staechelin. Zum Höhepunkt der Sammlung wurde eine Ausstellung im Petit Palais in Paris im Jahr 1964, die rund fünfzig mit grosser Sorgfalt zusammengestellte Werke zeigte und zu einem gesellschaftlichen Ereignis wurde. Die Ausstellung fand in der Ära von Rudolfs Sohn Peter G. Staechelin statt. Doch nach dem Höhepunkt folgte die Katastrophe. Peter G. Staechelin investierte in die Charterfluggesellschaft Globe Air. 1967 stürzte eine voll besetzte Maschine bei Nikosia ab, 126 Menschen kamen dabei ums Leben. Der Luftfahrtpionier musste wichtige Bilder verkaufen, die Firma ging in Konkurs. Die Familie fiel auseinander, es kam zur Scheidung, die Söhne Ruedi und Martin wurden in Internate aus­serhalb Basels gesteckt. Doch nicht genug der Katastrophen. 1977 stürzte eine von Martin pilotierte Sportmaschine auf dem Rückflug von München nach Basel in der Nähe von Ravensburg ab. Alle drei Insassen – Martin, seine Freundin Hildegard und Vater Peter G. Staechelin – starben. Der damals 25-jährige Ruedi Staechelin musste Hals über Kopf die Angelegenheiten des Vaters übernehmen, der in der Zwischenzeit in Ostafrika eine neue Tourismusgruppe mit Fluggesellschaft und Hotels aufgebaut hatte und mit 1500 Mitarbeitern zum grössten Devisenbringer Kenias geworden war. Über viele Jahrzehnte hingen Bilder der Restsammlung als Leihgabe im Kunstmuseum Basel. Doch als das Museum vor zwei Jahren wegen Bauarbeiten die Türen schloss, gingen sie auf Reisen – zusammen mit der Sammlung Im Obersteg zu Ausstellungen zuerst ins Museum Reina Sofía in Madrid und danach in die Phillips Collection in Washington D. C. 2017 hätten die Bilder nach Basel zurückkehren sollen. Doch wurde man sich über die Bedingungen nicht mehr einig. Jetzt ist völlig offen, wo die Meisterwerke, welche die Staechelins über hundert Jahre begleitet haben, künftig ausgestellt sein werden.