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Du 876 | Mai 2017
Swiss Pop Art
ISBN:
978-3-905931-74-7
Preis:
CHF 20.- / EUR 15.-

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Inhalt Du 876

Madeleine Schuppli
Lust am Neuen
Der Swiss Way der Pop-Art war vielseitig, lokal, global und nie langweilig. Er ermöglichte vielen jungen Künstlerinnen und Künstlern, gegen die Enge des Schweizer Kulturbetriebs zu rebellieren. Der Pop-Ansatz war prägend für sie. Bis heute.

Künstlerporträts I 
Franz Gertsch, Markus Raetz, Urs Lüthi

Peter Stämpfli im Gespräch mit Alfred Pacquement
Malen mit Kälte
Seine Bilder von Reifen machten ihn berühmt, seine Pneu-Abdrücke sind Ikonen. Peter Stämpfli über seine Anfänge in Paris, die kühle Schönheit von Gegenständen und warum die Kindheit die Vorliebe für bestimmte Farben prägt.

Fritz Billeter im Gespräch mit Oliver Prange
«Die frischen Geister sind heute in der Architektur»
Der Kunstkritiker Fritz Billeter begleitet die Schweizer Kunstszene seit Jahrzehnten. Er war auch dabei, als in Aarau die Pop-Art-Szene entstand.

Fritz Billeter
Die Unsterblichkeit der Dinge
Dosen, Autos, Zigaretten, Schauspieler. Die Pop-Art zeigt unsere Wirklichkeit – so, wie wir sie erschaffen haben. Als Welt der Waren. 

Barbara Davatz
Souvenirs aus Appenzell

Rosina Kuhn
Arrangements des Zerrissenen
Rosina Kuhn gilt als Grande Dame der Schweizer Kunst. Hier erzählt sie von einer für ihr Werk entscheidenden Reise durch die USA der Sechzigerjahre und wie sie in ihrer Kunst Widersprüchliches vereint. 

Damir Skenderovic und Christina Späti
Ein Land im Umbruch
In der Schweiz hielt sich lange hartnäckig die Meinung, die Achtundsechziger-Bewegung habe hier gar nicht stattgefunden. Doch es gab sie natürlich. In den Sechzigerjahren entstand eine kreative, provokative und vielfältige linke Szene.


Max Matter im Gespräch mit Oliver Prange
«Als wir zusammenkamen, explodierte unser Schaffensdrang»
Max Matter war einer der Künstler des Ziegelrains. Hier erzählt er, wie sich die Mitglieder der Ateliergemeinschaft beeinflussten und warum er 1972 dem Pop abschwor. 

Stephan Kunz
In der Provinz brennt es
Am Ziegelrain in Aarau gründeten 1967 mehrere Künstler eine Ateliergemeinschaft in ehemaligen Fabrikgebäuden. Ein Freiraum in der kleinstädtischen Peripherie, der zum Experimentierfeld künstlerischer Ausdrucksformen und zum Schmelztiegel der Schweizer Pop-Art wurde. 

Renate Menzi
Die Macht der guten, alten Form
Pop-Art beeinflusste in den Sechzigerjahren das Produktdesign, vor allem in Italien. Die Formen wurden ungezwungener, radikaler und hyperrealistisch. Die Schweizer Designer und Möbelhersteller folgten diesem Trend aber nur zögerlich.

Künstlerporträts II
Nic Hess, Lang/Baumann


  Du 876 | Mai 2017 | Swiss Pop Art

Swiss Pop Art

Ein neues Lebensgefühl Von Oliver Prange «Pop-Art ist die letzte wichtige Kunstströmung im 20. Jahrhundert. Da geschah noch mal etwas Eigenes», sagt Kunstkenner Fritz Billeter. Alles, was nachher kam, sei Repetition. Pop-Art ist eine US-amerikanische Kunst. In den Sechzigerjahren setzte sich diese Lebensart durch und verbreitete sich auch über Europa. Grosse Künstler bildeten sich heraus, jeder mit ganz eigenem Stil: Jasper Johns, Robert Rauschenberg, Andy Warhol, Roy Lichtenstein, Claes Oldenburg, Tom Wesselmann. Auch die Schweiz wurde von der Welle erfasst. Ein Zentrum bildete sich in Aarau, in einer brachliegenden Fabrik namens Ziegelrain. Eine Gruppe von Künstlern richtete sich dort ein. Die Künstler beeinflussten sich zwar gegenseitig, aber man sah es den Arbeiten nicht an; jeder fuhr eine eigene Schiene. Waren sie Hippies? Max Matter, der dabei war und als Einziger noch immer in Aarau lebt, sagt gegenüber Du: «Vielleicht. Aber was heisst das? Es war eine Zeit des Aufbruchs, und es gab mehrere Kunstströmungen gleichzeitig: Pop-Art, Minimal Art, Arte povera, Fluxus, dann die individuellen Mythologien, die mich zu interessieren begannen.» Berühmte Schweizer Künstler entwickelten sich in der Pop-Art: Franz Gertsch, Urs Lüthi, Markus Raetz, Rosina Kuhn, Peter Stämpfli.Pop-Art war ein Lebensgefühl, stand für Gegenwärtigkeit und Aufbruch. Es war ein geteiltes Bewusstsein, eine gefühlte Zugehörigkeit. Und es war ein Generationenbruch, um die Grenzen des Konformismus zu überschreiten. Die Jungen wollten nicht mehr Giacometti, das Etablierte, sie wollten die US-amerikanische Malerei, das Aufregende, Neue. Es war die Zeit der Popkultur, der Flower-Power und der Psychedelika, der Blumenkinder von Haight-Ashbury in San Francisco. Eine Generation aufmüpfiger Jugendlicher verweigerte sich der Anpassung an gesellschaftliche Konventionen und bildete eine Protestbewegung, die man heute die Achtundsechziger nennt. Die Beat­generation mit ihren dunklen Farben, Beatmusik und Cool Jazz war vorbei, die Hippies in bunten Kleidern, psychedelische Musik, Joints und sexuelle Freiheit waren en vogue. Als Motiv bevorzugte Pop-Art den Ausstoss der industriellen Pro­duktion: Autos, Massengenussmittel wie Zigaretten und Coca-Cola, Konserven, tägliche Nahrungsmittel, Hamburger und Hotdogs. Weiter das moderne Wohnen mit Fernsehen, Telefon, Duschbrause und geplätteltem Badezimmer sowie Anlagen und Plätze des Grossstadtlebens – Bar, Spielsalon, Einkaufszentrum, Flugplatz, Garage, Autobahn – und Zeichensysteme des modernen Alltags wie Stras­sensignale, Firmenschilder, Headlines, Werbeslogans. Dazu kamen typische Ereignisse unserer Gegenwart – Sport, Unglücksfälle, Verbrechen, Rassenkrawalle, Massenversammlungen, Krieg – und Helden des Massenzeitalters: Politiker, Pilot, Astronaut, Filmstar, Hausfrau. Diese Du-Ausgabe erscheint zur Sonderausstellung Swiss Pop Art im Aargauer Kunsthaus, Aarau. Sie zeigt vom 7. Mai bis 1. Oktober 2017 erstmals einen umfassenden Überblick über die Pop-Art in der Schweiz.