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Du 889 | Februar 2019
David Fincher

Kino der Finsternis

ISBN:
978-3-905931-88-4
Preis:
CHF 20.- / EUR 15.-

Status:
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Inhalt Du 889

David Fincher
Sein Filmschaffen und seine Musikvideos

Erik Messerschmidt 
Fünf visuelle Elemente, die David Finchers Filme ausmachen
Erik Messerschmidt hat als Oberbeleuchter und Kameramann für David Fincher gearbeitet. Er weiss also genau, welche Mittel der Regisseur wählt, um den unverwechselbaren Look seiner Filme zu erzeugen. Hier erklärt er, welche es sind. 

Phil de Semlyen
Mit Rasierklingen die Fingerkuppen abschaben
Die Titelsequenzen von Fincher-Filmen sind eigene Kunstwerke. Und das grösste von allen ist der Prolog von Seven. Der Grafikdesigner Kyle Cooper erzählt, wie er ihn produzierte. 

Fred Schruers 
«Das war noch nicht perfekt!»
Während der Dreharbeiten ist David Fincher unerbittlich. Er lässt viele Szenen bis zur Erschöpfung der Crew wiederholen. Ein Besuch am Set von The Game im Jahr 1997 zeigt, wie er bis heute arbeitet. 

Kai Mihm
Auf der Suche nach Nähe
Die Figuren in David Finchers ersten Filmen leben in trostlosen Metropolen und leiden an ihrer sinnlosen Existenz. Sie sehnen sich nach Wärme, unverfälschten Gefühlen und Gemeinschaft. Vor allem in Fight Club. 

Georg Seesslen
Draussen ist zugleich tief drinnen
David Fincher wiegt sein Publikum in Sicherheit, serviert ihm Action und Superstars und treibt unmerklich fortlaufend ein Verwirrspiel. Plötzlich kann man den Bildern und der Erzählung nicht mehr trauen. Alles ist möglich, nichts ist wahr.

David Fincher im Gespräch mit Mark Romanek
«Ich fange an, nach einer Waffe zu suchen mit der ich mich umbringen kann»
Die Regisseure David Fincher und Mark Romanek sind befreundet. Zum Start von The Social Network unterhielten sie sich 2010 über die Anstrengungen des Filmemachens und die ästhetische Qualität des Zufalls.

David Fincher im Gespräch mit Mark Harris
«Ich empfinde ein enormes Mass an Empathie für Mark Zuckerberg»
The Social Network erzählt von klugen Köpfen mit einfachen Bedürfnissen, von grossen Ideen und Eifersucht unter Freunden. Das Biopic ist ausserordentlich schnell und unterhaltsam. Die Mühen hinter dem Film sieht man nicht. David Fincher erzählt hier, welche es waren. 

David Fincher 
Dreidimensionale Bilder, eindimensionale Helden
Das Blockbuster-Kino traute sich früher, komplexe Geschichten mit gebrochenen Helden zu zeigen. Das ist vorbei. Heute regieren Superhelden und die drohende Apokalypse. Ergreifend wird vor allem im Fernsehen erzählt.

Joshua Rothman
Kein Opfer werden
David Finchers Gone Girl ist nur an der Oberfläche ein Thriller. Denn eigentlich berichtet der Film von den Ausformungen moderner Paarbeziehungen und unserer Angst vor ihnen. 

Finchers Favoriten


  Du 889 | Februar 2019 | David Fincher – Kino der Finsternis

David Fincher

Kino der Finsternis

Zwischen Poesie und Apokalypse

Von Oliver Prange

David Fincher hat nie eine Filmschule besucht, doch er wohnte mit seinen Eltern neben George Lucas, nördlich von San Francisco. So ergab sich ein Kontakt, so geriet er ins Filmgeschäft. In jungem Alter half er aus bei Lucas’ Spezialeffekte-Firma Industrial Light & Magic, bei Star Wars: Episode VI – Return of the Jedi (1983) und bei Steven Spielbergs Indiana Jones and the Temple of Doom (1984) war er am Set. Schon Anfang zwanzig gründete er seine eigene Produktionsfirma, Propaganda Films, zusammen mit Kollegen, die alle bekannte Hollywood-Regisseure werden sollten. Es folgten Musikvideos für Michael Jackson, Madonna, George Michael, Rolling Stones. Er drehte Werbefilme für Adidas, Budweiser, Chanel, Coca-Cola, Heineken, Levi’s, Nike, Pepsi. Zwanzig Jahre ist es nun her, als er mit Fight Club (1999) einen Kultfilm landete, der bis heute nachwirkt. Deshalb würdigen wir mit dieser Du-Ausgabe diese aussergewöhnliche Lebensleistung. Im kollektiven Gedächtnis geblieben sind viele seiner Werke: Etwa Seven (1995) mit Morgan Freeman, Brad Pitt und Kevin Spacey. The Game (1997) mit Michael Douglas und Sean Penn oder Gone Girl (2014). Fincher ist eine Ausnahmeerscheinung in der zweiten Generation der Blockbuster-Produzenten. Durch Lucas und Spielberg lernte er, die Erzeugung von Illusion zu perfektionieren. Er gehört der Generation von Regisseuren an, die das Kommerzielle zum Programm machten und in moralischer Hinsicht nicht zimperlich waren. Finchers Filme sind kühl, aber bewegend, kalkuliert, aber emotional. Jeder Film hat einen eigenen Look, eine eigene Farb- und Lichtdramaturgie. Seine Charaktere sind kalte Erfolgsmenschen, tatkräftige Menschen mit grossem Ego, aber mit Symptomen einer Sinnkrise, gefährdete Personen mit einer Psychose. 
Seine oft apokalyptischen Geschichten entwickeln sich nicht linear, vielmehr nach dem Modell von System und Störung. Sie sind psychologische Versuche. Wie in der klassischen Tragödie werden bei Fincher die Menschen Opfer genau dessen, was sie zu vermeiden suchten. Wir zeigen in dieser Ausgabe, wie es dazu kommt.