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Du 887 | Oktober 2018
Lehmbau heute
ISBN:
978-3-905931-86-0
Preis:
CHF 20.- / EUR 15.-

Status:
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Inhalt Du 887

Jean Dethier
Aus dem Schlamm vom Grunde des Sees
Der belgische Architekt Jean Dethier war über dreissig Jahre lang Kurator am Centre Georges-Pompidou in Paris. Anfang der Achtzigerjahre organisierte er eine Ausstellung zur Lehm­­architektur und schrieb ein Plädoyer, das nach wie vor seine Gültigkeit hat. 

Anna Heringer im Gespräch mit Mike Kauschke 
Schönheit von innen 
Anna Heringer ist Expertin für die Lehmbauweise und nutzt sie in moderner Form bei Projekten in Bangladesch, China, Simbabwe und Marokko. Ein Gespräch über Bauen als Dienst an der Gemeinschaft und Gebäude, die eine Verbindung mit ihrer Umgebung eingehen. 

Anna Heringer
Mut zum einfachen Mittel
Lehm gilt heute oft als minderwertiges Baumaterial. Wenn man aber die Bautechnik genau kennt und mit neuesten Technologien verbindet, spart sie Ressourcen und Energie. Und ist nachhaltig wie kaum eine andere. 

Dominique Gauzin-Müller 
Leben in Lehm
Neun Beispiele für moderne Lehmarchitektur.

Martin Rauch, Clemens Quirin
Massiv und belastbar
Die Vorurteile gegenüber dem Lehmbau sitzen tief und sind weitverbreitet. Zerstört Regen nicht das Haus, und ist es nicht total unstabil? Nein, man muss nur einige Dinge beachten. 

Gnanli Landrou, Coralie Brumaud, Guillaume Habert
Endlose Möglichkeiten
Die Bauindustrie steht vor einem Problem. Ihre bisherigen Ressourcen sind endlich, ihre Techniken schädlich für Klima und Natur. Neuartige Entwicklungen im Lehmbau könnten die Lösung sein.

Roger Boltshauser, Martin Rauch, Corentin Fivet und Martin Tschanz im Gespräch mit Andrea Wiegelmann
«Stampflehm fordert die Reflexion, das Denken heraus»
Das Potenzial des Stampflehmbaus ist bei Weitem noch nicht ausgeschöpft. Doch wie bringt man das Studierenden bei, welche Möglichkeiten bringen Verbindungen mit anderen Materialien, und was lernen Architekten vom Umgang mit Lehm? Fünf Experten unterhalten sich.

Romain Anger, Laetitia Fontaine
Im Gleichgewicht mit der Atmosphäre
Jeder kennt das Wort Lehm. Doch woraus er besteht und in welchen Formen er auftritt, wissen nur wenige. Eine Übersicht. 

Dominique Gauzin-Müller 
Stampfen, pressen, formen
Lehm ist einer der ältesten Baustoffe der Menschheit. Ab dem 10. Jahrtausend vor Christus wurden mehrere Tech­niken entwickelt.


  Du 887 | Oktober 2018 | Lehmbau heute

Lehmbau heute

Die Renaissance des Lehmbaus

Von Oliver Prange

Lehm ist einer der ältesten Baustoffe der Menschheit. Seit Menschen­gedenken werden überall in der Welt Häuser, Speicher, Aquädukte, Zikkurats, Pyramiden, Klöster, Kirchen, Moscheen mit Lehmerde erstellt, weil diese in Unmengen zur Verfügung steht. Es erfordert vielfach weder Kauf oder teuren Transport noch kostspielige Aufwendungen für ihre industrielle Verarbeitung. Noch heute lebt rund ein Drittel der Weltbevölkerung in Lehmhäusern. Rund 150 der 800 Unesco-Weltkulturdenkmäler sind Lehmbauten. 
Obwohl in unseren Breitengraden seit der Industrialisierung etwas aus der Mode gekommen, erlebt der Lehmbau heute eine Renaissance. Überall in der Welt entsteht zeitgenössische Archi­tektur mit dem Baustoff Lehm. Das 2014 von Herzog & de Meuron fertiggestellte Kräuterzentrum von Ricola in Laufen ist das grösste Stampflehmgebäude Europas. Fachleute entdecken die Vorzüge des ökologischen und lokalen Baustoffs wieder, zumal Verarbeitung und Transport kaum Energie benötigen. Das Material sorgt für einen natürlichen Ausgleich zwischen Aussen- und Innentemperatur.
Professor Guillaume Habert an der ETH Zürich und Spezialisten an anderen Hochschulen forschen derzeit an einer industriellen Anwendung der Lehmbautechnik, um diese für die gängigen Arbeitsmethoden der Baubranche zu nutzen; Lehm soll auf der Baustelle ver­arbeitet werden können wie Beton.
Um die Modernität des Lehmbaus zu bezeugen und zu seiner Verbreitung beizutragen, wurde 2015 unter der Schirmherrschaft des Unesco-Lehrstuhls Lehmarchitektur, Baukultur und nachhaltige Entwicklung der erste weltweite Preis für zeitgenössische Lehmarchitektur ausgeschrieben. Unterstützt von zahlreichen Partnern, feiert der Terra Award gleichzeitig den Mut der Bauherren, die Kreativität der Architekten und die Kompetenz der Handwerker und Unternehmer. Die vierzig ausgezeichneten Projekte werden ab Mitte Oktober in der Ifa-Galerie in Stuttgart gezeigt – einige sind Teil dieser Ausgabe.