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Du 861 | November 2015

Schauspielhaus Zürich

heute Theater

 
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ISBN:
978-3-905931-57-0
Preis:
CHF 20.- / EUR 15.-
Status:
an Lager


Probe Lesen

Daniele Muscionico
Der Kern des Scheins
Die Probenarbeit zu Jon Fosses Theaterstück Meer ist anspruchsvoll. Sie verlangt von den Darstellern den Mut, ungesichertes Gelände zu betreten. Versuch eines Probenprotokolls. 

Barbara Frey und Jon Fosse im Gespräch mit Daniele Muscionico
Wachsame Wächter der Zwischenwelt
Die Regisseurin Barbara Frey und der Dramatiker Jon Fosse     im Gespräch über Stille und Konzentration, über Sprache, die aus der Musik kommt, und über die lebensrettende Wirkung von Grossmüttern. 

Sibylle Berg, Lukas Bärfuss, Ferdinand Schmalz im Gespräch mit Andreas Karlaganis und Armin Kerber
«Ein Theaterstück ist mehr ein Gemeinschaftsding»
Sibylle Berg, Lukas Bärfuss und Ferdinand Schmalz geben Auskunft, warum sie das Theater lieben, wann es sie nervt, 
wie alles anfing mit dem Schreiben für das Theater und warum sie damit nicht aufhören wollen.

Kaa Linder
Zwischen Brockenstube und Brasilien: 
Janna Mohr ist auf dem Sprung Die junge Theaterpädagogin Janna Mohr gibt mit ihrer Laufbahn ein anschauliches Beispiel für die zukunftsweisende Arbeit des Jungen Schauspielhauses Zürich.

Martin Heller
Schiffbau, inside & outside
Seit seiner Eröffnung vor fünfzehn Jahren ist der Schiffbau ein wunderbarer Theaterort und zugleich eine kraftvolle Zentrifuge in der Zürcher Kulturlandschaft. 

Christoph Kuhn
Fünf Jahrzehnte Schauspielhaus Zürich:
vom Juden aus Andorra bis zum Hotel Angst Skandale, die zu Klassikern mutieren, Stars, denen die Stadt zu Füssen liegt, Regisseure, die gegen die Zwingli-Wand laufen, und ein Publikum, das allabendlich seinen Platz in den roten Sesseln einnimmt.

Werner Düggelin im Gespräch mit Beatrice von Matt
«Beckett war heimlifeiss, wenn Sie wissen, was das ist» 
Der Grand Old Man des Schweizer Theaters Werner Düggelin erzählt, wie Komik funktioniert und was Beckett falsch gemacht hat. Und warum es richtig ist, Pausen zu machen und keine Kompromisse.

Ursula Amrein
Machtkämpfe und Zerreissproben – der Pfauen als Exilbühne in der Nazi-Zeit
Ferdinand Rieser machte 1933 das Schauspielhaus zur wichtigsten Exilbühne im deutschsprachigen Raum. Schweizer Schriftsteller-Aktivisten protestierten gegen die «geistige Überfremdung» durch jüdische Künstler.

Andreas Klaeui
Die Verwandlerin
Bettina Meyer baut Bühnen wie soziale Brenngläser. Sie vergrössern die Positionen der Akteure und ihre Beziehungen untereinander. Ein Porträt der Bühnenbildkünstlerin.

Nathalie Zeindler 
Der Abonnent – eine Würdigung
Die treuesten, aber auch kritischsten Zuschauer: Viele Abonnenten sind dem Schauspielhaus seit Generationen verbunden und haben ihren Stammplatz im Pfauen. 

Medienpartnerschaft | Stefan Kaiser
Durch dick und dünn
Seit mehr als sechzig Jahren wird das Schauspielhaus Zürich vom Migros-Kulturprozent unterstützt. Einblicke in die Lebendigkeit dieser Partnerschaft gibt der Theatermontag.

  Du 861 | November 2015 | Schauspielhaus Zürich – heute Theater

Schauspielhaus Zürich

heute Theater

Wie im richtigen Leben

Von Oliver Prange

Nachdem die Nationalsozialisten in Deutschland die Macht ergriffen hatten, flüchteten viele Künstler ab 1933 in die Schweiz. Darunter viele Schauspieler, die ihre Kunst auf deutschen Bühnen nicht mehr zeigen konnten. Grosse Schauspieler, Regisseure und Bühnenbildner wie Therese Giehse, Maria Becker, Karl Paryla, Wolfgang Langhoff, Leonard Steckel, Ernst Ginsberg, Kurt Horwitz, Kurt Hirschfeld, Leopold Lindtberg oder Teo Otto fanden ihren Weg zum Schauspielhaus Zürich. So wurde das Theater während des Zweiten Weltkriegs bis weit in die Nachkriegszeit hinein eine der massgebenden europäischen Bühnen. Es ist es heute noch. Das Emigrantenensemble ist zu einem helvetischen Mythos geworden. 
Im Laufe der Jahrzehnte experimentierte das Theater immer wieder zwischen Tradition und Fortschritt. Werden die Erwartungen nicht erfüllt, bleibt das konservative Publikum weg, wenn nichts Neues geschieht, das progressive auch. So kam es immer wieder zu fundamentalen Brüchen. In Erinnerung ist die tumultuöse Entlassung des provokativen Intendanten Christoph Marthaler im Jahr 2002. Intellektuelle gingen für ihn auf die Strasse, was zu seiner Wiedereinstellung führte, wobei Marthaler kurz darauf selbst kündigte. 
Ein Meilenstein war die Eröffnung des Schiffbaus, eines Theaters in Industriearchitektur. In den frühen Neunzigerjahren wollte das Schauspielhaus Zürich ein neues zusätzliches Zentrum errichten, da viele Funktionsräume über die ganze Stadt verstreut lagen. Das ist jetzt genau fünfzehn Jahre her und Anlass für diese Du-Ausgabe.
Christoph Kuhn taucht ein in die Geschichte des Schauspielhauses, lässt die grossen Stücke, Dramatiker und Zeitzeugen auftreten, darunter Max Frisch und Friedrich Dürrenmatt. 
Ursula Amrein porträtiert Ferdinand Rieser, der bis 1938 erster Leiter und Eigentümer des Schauspielhauses war, damals noch ein Privattheater. Rieser ist die Bildung des Emigrantenensembles zu verdanken. 
Aber hauptsächlich blicken wir in dieser Ausgabe in die Gegenwart. Daniele Muscionico hat über Monate die Entstehung von Jon Fosses Stück Meer in der Regie von Intendantin Barbara Frey verfolgt, das in diesen Wochen aufgeführt wird. Im Interview mit den beiden Künstlern entspannt sich ein Gespräch über Stille und Konzentration, über Sprache, die aus der Musik kommt, und über Theater als Dialog mit den Toten. 
Was heisst es heute, wenn man fürs Theater schreibt? In einem Round-Table-Gespräch äussern sich die Dramatiker Sibylle Berg, Lukas Bärfuss und Ferdinand Schmalz über ihr Verständnis von Theater, darüber, was es heute kann und was nicht.
Das Junge Schauspielhaus will Kinder und Jugendliche ins Haus holen und ans Theater heranführen. Kaa Linder porträtiert die junge Theaterpädagogin Janna Mohr, die zwischen Kunst und Pädagogik balanciert. 
Andreas Klaeui spricht mit der Ausstattungsleiterin und Bühnenbildnerin Bettina Meyer. Sie prägt die Ästhetik der Theaterräume.
Seit zehn Jahren geht Ausstellungsmacher Martin Heller im Schiffbau ein und aus, weil sich sein Büro dort befindet. Er beschreibt, wie der Schiffbau das Quartier verändert und wie das Quartier den Schiffbau verändert hat. 
Beatrice von Matt hat die Regielegende Werner Düggelin getroffen, der diesen Herbst das Beckett-Stück Glückliche Tage inszeniert. Beckett hat ihn und das Theater im 20. Jahrhundert massgeblich geprägt. 

Wir wünschen Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, frohes Lesevergnügen.