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Du 840 | Oktober 2013

Maurizio Cattelan

Kult und Ketzerei

 
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ISBN:
978-3-905931-35-8
Preis:
CHF 20.- / EUR 15.-
Status:
an Lager


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Teil I 

Pei Fen Sung
Die Legende des Maurizio C.
Maurizio Cattelan gehört zu den wenigen Akteuren der internationalen Kunstwelt, dessen Werke immer wieder für Aufregung sorgen. Bei aller Provokation – seine Kunstwerke behaupten sich als bildmächtige Ikonen der Gegenwart. 

Maurizio Cattelan im Gespräch mit Oliver Prange
«Schauen Sie bitte nur auf meine Arbeiten, 
da liegen die Antworten»
Wieso ist Donald Duck ein weiser Mann? Was verbindet Blumen mit Kunstwerken? Wohin führt der Wahn zum Glücklichsein? Maurizio Cattelan gibt die Antworten.

Nancy Spector
Ohne Medien kein Mythos 
Ob Hollywood, Hitler oder der Papst – in seinen Kunstinstallationen bedient sich Maurizio Cattelan regelmässig bei den zeitgenössischen Mythen der Medienwelt. 

Maurizio Cattelan im Gespräch mit Petrus I,
Alexander VI. Borgia, Johann Paul II., Petrus II. und
Franz von Assisi; aufgezeichnet von Enrico dal Buono
Katho-Cattelan
Maurizio Cattelan ist sicher kein Heiliger, dafür sprüht er vor Geist. Drei Päpsten, einem Mystiker und sogar dem Antichristen hat er Rede und Antwort gestanden.


Teil II

92    Urs Stahels Sichtweisen
        Allan Sekula †

94    Expecting Art von Ewa Hess
        Blumen und Pilze

98    Die Eroberung des Unnützen von Dieter Meier
        Manhattan – eine Hymne an Babylon

 

  Du 840 | Oktober 2013 | Maurizio Cattelan – Kult und Ketzerei

Maurizio Cattelan

Kult und Ketzerei

«Mir geht ein Bild durch den Kopf»

 

Von Oliver Prange


Maurizio Cattelan macht sich lustig. Aber er ist auch schwermütig. Er ist komisch und tragisch zugleich. Wann immer er eine Bühne betritt, hält er sogleich Ausschau nach einem günstigen Fluchtweg. Es zieht ihn nicht ins Licht. Trotzdem inszeniert er immer auch sich selbst. Sein ganzes Leben lang wollte er ernst genommen werden, und jetzt, da man ihn ernst nimmt, ist es ihm nicht mehr wichtig. Maurizio Cattelan ist ein Bündel von Widersprüchen, und diese Widersprüche kultiviert er mit Hingabe. 
Noch nie hat er einen Meissel selbst in die Hand genommen, und er hat auch kein Atelier, und trotzdem schaffte er es vor zwei Jahren zu einer Retrospektive im New Yorker Guggenheim-Museum. Unter dem Titel All hingen rund 130 seiner Werke in der Rotunde des berühmten Frank-Lloyd-Wright-Gebäudes. Besucher konnten die Rampe hinaufgehen und das Werk von unten und von oben, von links und von rechts betrachten – Wachsfiguren, Gemälde, Fotografien, gerahmte Dokumente und viele ausgestopfte Tiere. 
Cattelan schwört auf die Macht des Bildes: «Mein Ausgangspunkt ist immer ein Bild, nie eine bestimmte Aussage … Mir geht ein Bild durch den Kopf. Es beschäftigt meine Phantasie, und am nächsten Tag ist es noch immer da. Ich kann dieses Bild nicht reduzieren oder überhaupt vergessen. Also fange ich mit der Arbeit an. Ich überlege mir alle Möglichkeiten und versuche dann, die Idee herauszuarbeiten. Eine Synthese der Idee zu finden. Das ist das Allerschwierigste. Es kommt aber vor, ein paar Mal, etwa alle zehn Jahre.»
Fake oder echt – das ist nicht so wichtig. Wenn es um die Fantasie geht, kann man das nie genau unterscheiden. «Positives und Negatives, Gutes und Böses, Verbote und Tabus, Wahrheit und Täuschung – in Cattelans Phantasie ist alles enthalten», schreibt die Autorin Pei Fen Sung in ihrem Porträt. 
Cattelan lässt sich nicht festlegen. Er hält sich an keine Ordnung, stellt sich selbst infrage, untergräbt das System von innen, fordert unsere Wahrnehmung und unsere Sehgewohnheiten heraus. Seine Arbeiten sind eingebettet in Versagensangst und in ein tiefes Bewusstsein von Tragik, Verlust und Tod und werden, angereichert mit humorvollen Wendungen, in eindrucksvollen Bildern präsentiert. 
Das gilt auch für Cattelans neueste Publikation namens Toiletpaper, benannt im Sinne der ultimativen Entsorgbarkeit von Printerzeugnissen, das er gemeinsam mit dem italienischen Modefotografen Pierpaolo Ferrari herausgibt. Für Cattelan sind die Toiletpaper-Fotos «beinahe Kunst». Einige, so glaubt er, könnten irgendwann den Status von Kunstwerken erlangen, aber erst, wenn sie sich bewährt haben in der Welt, erst, wenn sie ikonisch geworden sind. Und so bietet Toiletpaper Cattelan einen Ausweg. Das Magazin ermöglicht ihm, den Erfolg seiner Fotografien zu testen, ohne sich dabei dem Druck des Kunstmarkts auszusetzen. 
Die Installation Kaputt von Maurizio Cattelan ist noch ist noch bis am 6. Oktober 2013 in der Fondation Beyeler zu sehen.