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Du 939 | Dezember 2025
Diener & Diener

Ein Recht auf Geschichte

ISBN:
978-3-907315-38-5
Preis:
CHF 20.- / EUR 15.-

Status:
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Inhalt Du 939

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Tierschicksale

Christoph Frank
Vom Schicksal der Tiere und der Menschen an Rhein und Spree. Wiederaufbau und Neufassung des Ostflügels am Museum für Naturkunde Berlin, 1995–2010 

Peter Bartsch
Ein 140 Jahre altes Baukonzept bereitet den Weg zum Naturkundemuseum des 21. Jahrhunderts 

Roger Diener im Gespräch mit Tibor Joanelly
Kluge Setzungen 
Roger Diener sucht im Geflecht aus Erfahrung, Spuren und Strukturen nach städtischen Räumen von verbindlicher Gestalt. Und wo sich Architektur und Kunst begegnen, zeigt sich die Autonomie beider Disziplinen – als fruchtbarer Dialog statt als Konkurrenz.

Markus Ritter
«Hammer I», «Hammer II» und «Warteckhof»: drei Freiräume in zwei Quartieren – Schrittmacher in einem bahnbrechenden Prozess der Stadtentwicklung in Basel 

Paul Widmer
In der Arglist der Zeit. Zur Geschichte der Schweizer Botschaft in Berlin 

Akinbode Akinbiyi
Hinschauen. Hinhören
Die Schweizer Botschaft in Berlin und ihre Umgebung.

Beat Wismer
Von Anfang an hatte ich ein Relief im Kopf. 
Zu Helmut Federles Arbeit an der Schweizer Botschaft in Berlin

Joseph Abram
Erinnerung und Vergessen 
Shoah Memorial in Drancy.

Jacqueline Burckhardt
Fassaden als sprechende Resonanzkörper 
Schweizer Botschaft in Berlin mit Helmut Federle, Novartis Forum 3 in Basel mit Helmut Federle, Gerold Wiederin, Stadtmuseum in Aarau mit Martin Steinmann, Josef Felix Müller. 

Laurent Stalder
In der Vorstadt
Atelier-Haus mit Marc Camille Chaimowicz.

Sabine von Fischer
Gefügte Schichten, verwobene Geschichten 
Instandsetzung und Erweiterung der Zürcher Tonhalle und des Kongresshauses in Zusammenarbeit mit Elisabeth und Martin Boesch.

Andrzej Przywara
Eine andere Stadt
Fundacja Galerii Foksal in Warschau.

Salvatore Lacagnina
Der Garten der Via Giulia. Das Recht auf Erinnerung 
Mit Vogt Landschaftsarchitekten und Garofalo Miura Architetti.

Adam Szymczyk
Jeziory in Basel
Jüdisches Museum Schweiz.

Die Fotografen 


  Du 939 | Dezember 2025 | Diener & Diener – Ein Recht auf Geschichte

Diener & Diener

Ein Recht auf Geschichte

Ein Recht auf Geschichte

Seit den frühen Achtzigerjahren sind Diener & Diener Architekten in der Schweiz und in Europa ein fester Begriff in der Architektur. Ihr Name hat durch öffentliche Bauten wie das Kunsthaus Pasquart in Biel/Bienne oder die Sammlung Rosengart in Luzern Bekanntheit erlangt, jedoch zunächst durch Wohnungsbauten. Die frühen Wohnhäuser an der Hammerstrasse in Basel wurden bis in die USA besprochen und erregten in Fachkreisen Aufmerksamkeit als Aufbruch einer Avantgarde. Sie brachen mit dem Architekturstil der Postmoderne und provozierten mit ihrer modernen Ästhetik sowie den bis heute an Schulen studierten Grundrissen eine Neuverhandlung gemeinschaftlicher urbaner Lebensformen. Als Initialzündung in einem ehemaligen Arbeiterquartier behandelte das Projekt eine Weiterentwicklung der Städtebautradition des 19. Jahrhunderts: Die Blockrandbebauung mit gemeinschaftlichem Innenhof wurde typologisch aktualisiert, ergänzt durch Ateliers sowie Einrichtungen für das Quartier. Die folgenden Arbeiten des Büros fanden Eingang in das 1995 mit Martin Steinmann publizierte Buch Das Haus und die Stadt, Birkhäuser, 1995, das als Manifest des Dialogs von Neu und Alt in Architektur und Städtebau angesehen werden kann, aber auch als Liebeserklärung an die gebaute Stadt. Die ausgezeichneten Projekte des Büros, das mittlerweile in Basel und Berlin ansässig ist, sind deutlich mit der Aufarbeitung des geschichtlichen Erbes verknüpft. In ihrer Auseinandersetzung mit den Bauplätzen, Brachen und Ruinen reflektieren die Architekten das Recht auf Geschichte als scharfe, bisweilen konfliktive Auseinandersetzung mit der Ausschreibung der Bauaufgabe. Wie ein roter Faden zieht sich ihre Haltung durch das Werk. Ohne die Zugehörigkeit zu einer zeitgenössischen Moderne infrage zu stellen, fügen sich die Häuser von Diener & Diener in einer Weise in die Architektur der Stadt ein, die der Versuchung einer antagonistischen Position des Neuen gegenüber dem historischen Bestand immer wieder zu entkommen vermag. Diese Arbeiten sind nie laut. Aber sie tragen eine Wesenhaftigkeit in sich, die über Architektur hinausweisen kann. Bei der kontinuierlichen Suche nach Lösungen, dem Ort gerecht zu werden, den neuen Funktionen und dem Wandel, entstehen unter ihrer Federführung Aufgaben für die Kunst. Die eigenständige Position der Künstlerinnen und Künstler in diesen Zusammenarbeiten sieht das Büro als gleichberechtigt neben der Architektur: «Ihre Autonomie ist nicht verhandelbar und doch sind ihre Werke unverzichtbar für die Architektur.» In diesem Heft sprechen Autorinnen und Autoren über ausgewählte Orte mit Projekten von Diener & Diener. Sie nehmen die Leserschaft mit auf eine Reise nach Basel, Aarau, Drancy, Berlin, Warschau, Zürich und Rom und durch verschiedene Jahrzehnte des Schaffens des Büros. 

Von Oliver Prange