å
Du 896 | Oktober/November 2019
Georges Simenon

Unveröffentlichtes zum 30. Todestag

ISBN:
978-3-905931-95-2
Preis:
CHF 20.- / EUR 15.-

Status:
an Lager
Abonnieren Kaufen Lesen

Inhalt Du 896

Georges Simenon im Gespräch mit Giulio Nascimbeni
«Für das Schreiben eines Romans brauche ich im Schnitt acht bis zehn Tage»
Vor 61 Jahren gab Georges Simenon dem italienischen Journalisten Giulio Nascimbeni ein Interview. Er sprach über Armut, über seine literarischen Vorbilder und über die Gründe, warum er Verfilmungen seiner Romane unter keinen Umständen anschauen möchte. 

John Simenon im Gespräch mit Oliver Prange
«Mein Vater glaubte nicht an das absolut Böse»
John Simenon verwaltet den literarischen Nachlass seines Vaters. Es dürfte kaum einen Menschen geben, der dessen Werk besser kennt. Warum Georges Simenon bis heute auf der ganzen Welt erfolgreich ist, kann er deshalb gut erklären. Und natürlich auch, was für ein Vater er war. 

George Simenon
Mare nostrum. Reportage.

Wolfgang Matz
So einfach wie möglich
Georges Simenon war kein Freund eines blumigen, mit Adjektiven aufgeladenen Stils. Er verwendete nur wenige Worte, um die Dinge präzis zu beschreiben. Auf den ersten Blick erscheint sein Werk deswegen als leicht zu übersetzen. Doch das ist ein fataler Irrtum. 

Álvaro Mutis im Gespräch mit Fabienne Bradu
«Er hat keine Vorgänger und keine Nachfolger»
Der kolumbianische Schriftsteller Álvaro Mutis hielt Georges Simenon für einzigartig, nicht klassifizierbar, in keine Kategorie passend. Warum? Das erzählt er 1993 in einem Gespräch, und er verrät, welcher Simenon-Roman sein liebster ist. 

Georges Simenon
Weil ich den Menschen mag. Essay.

William Boyd
Der Zauber des Augenblicks
Georges Simenons fotografisches Werk ist kaum bekannt und offenbart dennoch Meisterschaft im Umgang mit 
der Kamera. Für eine kurze Phase seines Lebens hat er auf der ganzen Welt den Alltag der Menschen festgehalten. 

Gabriel García Márquez
Die Leichtfertigkeit des Gedächtnisses
Gabriel García Márquez las als junger Mann eine Kriminal­geschichte, die ihn begeisterte. Er wusste aber weder, wer sie geschrieben hatte, noch, wie sie hiess. Es sollte Jahrzehnte dauern, bis er es herausfand. 

Georges Simenon
Maigret und der Mann auf der Strasse. Erzählung.

Axel Hacke
Lieber tot als gedemütigt
Axel Hacke über sein Lieblingsbuch von Georges Simenon: Der Mann, der den Zügen nachsah.

Simone Buchholz
Opfer der Ausgrenzungsmaschine
Die Schriftstellerin Simone Buchholz über ihre Liebe zu Spencer Ashby, dem Protagonisten und Aussenseiter in Bellas Tod, und die würdevolle Menschlichkeit von Simenons Helden. 

Eigentümlich lakonisch
Schriftsteller, Regisseure und Übersetzer bewundern Georges Simenon für seinen Stil und seine Kunst der Figurengestaltung. Hier erzählen einige von ihnen, warum.

Georges Simenon
Der Mann, der auf die Ratten schoss. Erzählung.

Zeittafel Georges Simenon


  Du 896 | Oktober/November 2019 | Georges Simenon – Unveröffentlichtes zum 30. Todestag

Georges Simenon

Unveröffentlichtes zum 30. Todestag

Weil er den Menschen mag

Von Oliver Prange

Die Idee zu dieser Du-Ausgabe entstand wie viele vor ihr bei einem Essen in der Zürcher Kronenhalle, vor Weihnachten 2018. Der Simenon-­Fan Jürg Witmer, Initiant der Du-Ausgabe Die Provence neu entdecken (Du 884; Juni 2018), bat mich, ihm Daniel Kampa vorzustellen, den Verleger der Simenon-Romane. Kampa kam mit einem riesigen Sack von Büchern, und unser Tisch wurde zur allgemeinen Verwunderung in eine kleine Bibliothek umfunktioniert. Kampa schlug vor, im Juni 2019 Simenons Sohn John in seinem Archiv in Lausanne zu besuchen, dessen Lebenswerk seit 25 Jahren darin besteht, das riesige Konvolut weltweit zu bewerben: über 400 Bücher, die in 50 Sprachen übersetzt und bis heute 500 Millionen Mal verkauft worden sind. In dieser Wunderkammer finden sich fast alle französischen, US-amerikanischen, britischen, spanischen und italienischen Erst­ausgaben; Originalmaterial zu Film-, Fernseh- und Büh­nenadaptio­nen weltweit; Kartons voller Bilder – und viele persönliche Artefakte, Tagebücher und Möbel. Die Idee zu der vorliegenden Du-Ausgabe nahm Formen an, insbesondere, weil wir hier Erstver­öffentlichungen und -überset­zungen anbieten können – und auch, weil sich diesen Herbst der Todes­tag Simenons zum dreissigsten Mal jährt. Das Interesse an Simenons Werk ist heute wieder gewaltig. Es gibt erstmals Publikationen in Ländern wie Sri Lanka, Vietnam und Georgien. Gerade laufen Verhandlungen über eine chinesische Bühnenadaption von Das zweite Leben. In Deutschland stand Maigret im Haus der Unruhe diesen Sommer auf der Krimibestenliste, fast neunzig Jahre nach der französischen Erstveröffentlichung. Dabei war Simenon davon überzeugt, dass sein Werk ihn nicht lange überleben würde. Seit 2003 steht es jedoch in der berühmten Klassiker-Reihe Bibliothèque de la Pléiade des französischen Verlags Gallimard, und Kommissar Maigret taucht auf zwischen Emma Bovary und Anna Karenina, neben Balzac, Stendhal und Proust. Der kolumbianische Schriftsteller Álvaro Mutis hält Georges Simenon für einzigartig, nicht klassifizierbar, in keine Kategorie passend. Warum? Simenons Romane sind eigentlich keine Krimis. Wer der Mörder ist, ist nicht wichtig, in der Regel weiss man das sogar. Es geht darum, warum er das Delikt begangen hat, wie er überhaupt in die Situation geraten ist. Er ist nicht restlos böse, sondern einfach ein Mensch. Simenon schrieb so, weil er den Menschen mag. Und dieser Geist ist auch in dieser Du-Ausgabe zu spüren.