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Du 877 | Juli 2017
10 Jahre Festival da Jazz
ISBN:
978-3-905931-75-4
Preis:
CHF 20.- / EUR 15.-

Status:
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Inhalt Du 877

Christian Jott Jenny im Gespräch mit Oliver Prange
«Man muss bereit sein, Risiken einzugehen und zu scheitern»
Der künstlerische Leiter und Gründer des Festival da Jazz spricht über seine Karriere und darüber, wie man Jazzlegenden in das Engadin lockt.

Rolf Sachs im Gespräch mit Oliver Prange
Auf einem Tablett die Bobbahn hinunter
Der Dracula Club ist das Zentrum des Festival da Jazz. Dessen Betreiber weiss, wie man Feste feiert.

Erinnerungen von Christian Jott Jenny

Al Jarreau im Gespräch mit Martin Zips
Der Psychologe
Der dieses Jahr verstorbene Sänger war nicht nur ein ausgezeichneter Musiker, sondern auch Menschenkenner.

Herbie Hancock im Gespräch mit Christoph Dallach und Hans Hielscher
Der Buddhist
Der regelmässige Gast des Festival da Jazz hatte als Kind zu kleine Hände für Baseball, also schenkten ihm seine Eltern ein Klavier. Zum Glück. 

Klaus Doldinger im Gespräch mit Wolfgang Sandner
Der Herr der Melodien
Klaus Doldinger wollte eigentlich nie Komponist werden und schrieb dann doch Stücke, die jeder kennt.

Othella Dallas im Gespräch mit Bruno Bötschi
Die Tänzerin
Othella Dallas ist Stammgast beim Festival da Jazz und so etwas wie dessen Maskottchen.

Lee Ritenour im Gespräch mit Roger Köppel
Das Chamäleon
Lee Ritenour gehört zu den vielseitigsten Gitarristen der Gegenwart. Er hat mit grossen Musikern gearbeitet. Von den Bee Gees bis zu Pink Floyd.

Dave Grusin im Gespräch mit Fred Jung
Der Produzent
Als Komponist für Filmmusik ist er eine Legende, als Musiker brillant, und als Gründer von GRP Records entwarf er eine ganz eigene Spielart des Jazz.

Max Keller
Gemeinsam reich sein
Warum sind gerade St. Moritz und Gstaad die winterlichen Treffpunkte der High Society?

Michael Lütscher
Charlie Chaplin entdeckt die Berge
Zwischen den Weltkriegen beuteln Krisen die Welt. In St. Moritz aber fliesst weiter Champagner.

Michael Lütscher
Die Droge Skeleton
Der Cresta Run in St. Moritz ist legendär. 1948 gewinnt ein italienischer Gemüsehändler auf der Natureisbahn olympisches Gold.

Michael Lütscher
White Turf: Pferde auf dem Schnee

Michael Lütscher
Mit den Strahlen der Sonne 
St. Moritz hat im letzten Jahrhundert ein messerscharfes Markenprofil entwickelt.

Felix Schlatter im Gespräch mit Oliver Prange
Am Anfang war der Engländer
Felix Schlatter ist Direktor des Hotels Laudinella und kennt sich in der Geschichte von St. Moritz aus.

Michael Lütscher
Zwei Seiten einer Medaille 
Die Globalisierung des 19. Jahrhunderts machte die Entstehung des Wintertourismus möglich, die Globalisierung des 21. Jahrhunderts setzt ihn unter Druck.


  Du 877 | Juli 2017 | 10 Jahre Festival da Jazz

10 Jahre Festival da Jazz

Asyl für Jazz

Von Oliver Prange

Im Alter von neun Jahren gründete Christian Jott Jenny eine Jazzband und lernte mit zwölf den Schweizer Jazzpianisten George Gruntz kennen, der ihm das Klavierspielen beibrachte. Aber Jenny fehlte beim täglichen Üben der Kontakt zu Menschen. Er wurde Opernsänger, doch seine Liebe zum Jazz ist bestehen geblieben. Heute ist er gleichzeitig Künstler und Produzent, weil beides für ihn Hand in Hand stattfinden muss. Vor zehn Jahren gründete er das Festival da Jazz. Nach ersten Schritten in Pontresina hörte er vom Dracula Club, der in den Siebzigerjahren von Gunter Sachs gegründet worden war. Bei dessen Sohn Rolf Sachs beantragte er «Asyl» für sein Festival. Das war der Anfang einer grossen Freundschaft und ein kompletter Richtungswechsel in seinem Leben. Rolf Sachs ging im Lyceum Alpinum Zuoz zur Schule. Als Dreizehnjähriger fuhr er den Cresta Run in St. Moritz runter, betreut von Nino Bibbia, der auf der Natureisbahn 1948 olympisches Gold gewann. Sachs war begeistert von der Mischung der Menschen dort: vom Metzger bis zum Herzog. Alle waren dem Skeleton verfallen. Rolf Sachs führte als Präsident den Dracula Club weiter, in dem frischer Abenteuerwind und Humor herrschten, mit exzentrischen gesellschaftlichen Wirbelstürmen. Doch der Klub blieb lange Zeit im Sommer geschlossen. Deshalb stiess Jennys Anfrage damals auf offene Türen. So fand das Festival da Jazz sein Zuhause im Dracula Club. Ambiente und Akustik stimmten. Alles passte zusammen. Seitdem spielten viele Jazzlegenden dort. Etwa Herbie Hancock, der einmal sagte: «Ich glaube, dass der Jazz die meisten Freiheiten bietet. Jazz ist eine sehr komplexe Musik, hat mit seinen Improvisationen ein sehr breites Spektrum und bietet ein üppigeres Vokabular als Pop oder Rock.» Diese Freiheit und der Sinn für Improvisation spiegeln sich in Jennys und Sachs’ Unternehmergeist wider, von dem St. Moritz profitiert. Das Festival da Jazz ist zu einem der grössten Sommerfestivals in Graubünden geworden. Das hilft St. Moritz, gerade in diesen Zeiten, da sich die Destination neu erfinden muss. «Die Globalisierung des 19. Jahrhunderts machte die Entstehung des Wintertourismus möglich, die Globalisierung des 21. Jahrhunderts setzt ihn unter Druck», schreibt Autor Michael Lütscher. Der Besuch aus Deutschland, Italien und Grossbritannien nahm in den letzten zehn Jahren um die Hälfte ab. Die starke Aufwertung des Frankens macht den Hoteliers zu schaffen. Zudem verstehen viele Menschen unter Winterferien in der Sonne Erholung an einem Strand in Südostasien, im Indischen Ozean oder in der Karibik. Trotz all der heutigen Probleme: «Das Engadin hat ewige Werte; die Natur, die Berge, das Licht und die ausgeglichenen Proportionen. Das Tal liegt auf der europäischen Wasserscheide und hat schon immer Künstler, Philosophen und sensible Menschen angezogen», sagt Laudinella-Hotelier und Kulturveranstalter Felix Schlatter. Die Belle Epoque der Siebziger- und Achtzigerjahre ist vorbei, als schillernde Persönlichkeiten St. Moritz grossen Glanz verliehen, Leute wie der Schah von Persien, die griechischen Reeder Onassis und Niarchos, Agnelli und Karajan, Gunter Sachs und seine hippe Entourage, die arabischen Scheichs, der Erb- und Geldadel und die Neureichen. Das Festival da Jazz bringt St. Moritz nun neuen Glamour. Du gratuliert zum zehnjährigen Bestehen.