Du 858 | Juli 2015
Humor

Literarische Hochkomik

ISBN:
978-3-905931-54-9
Preis:
CHF 20.- / EUR 15.-

Status:
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Inhalt Du 858

Text und Fotos: Frank Kunert
Verkehrte Welt
Der Künstler und Fotograf Frank Kunert entwirft im Atelier architektonische Bauten und präsentiert sie dem Betrachter als eine Bühne, die er mit seiner eigenen Fantasie bespielen kann.

Bernd Eilert
Kleiner Streifzug durch die europäische Hochkomik (1850–1950)
Der Humorprofi Bernd Eilert präsentiert seine persönliche Auswahl von Texten berühmter Autoren zwischen abgründigem und fröhlichem, teuflischem und elegantem Humor.

Noé Sendas (Fotos)
Crystal Girls
Der belgische Künstler Noé Sendas entwickelt mit seinen Crystal Girls eine surrealistische Fotoserie, indem er alte Schwarz-Weiss-Porträts von glamourösen Stars neu gestaltet.

Tatzu Nishi (Bilder) im Gespräch mit Chieko Kinoshita
«Komisch, brutal und sexy. Ganz einfach zu merken,oder?»
Tatzu Nishis bekannteste Arbeiten sind die Verwandlungen von öffentlichen Denkmälern oder Architekturdetails zu Wohnräumen. So baute er das bekannte Wahrzeichen der Stadt Singapur – die Merlion-Skulptur im Hafen – in ein Hotelzimmer mit Nebenräumen um: das Merlion Hotel.

Susanne Stähr
Es darf gelacht werden! Musik und Humor: vom Unernst der Klassiker
Dass klassische Musik nicht immer ernst sein muss, zeigt das Lucerne Festival in seinem Programm 2015 mit vielen Beispielen.

Stephen Gill (Bilder)
Warming Down
Der englische Fotograf und Konzeptkünstler Stephen Gill experimentiert mit ungewöhnlichen Methoden bei der Dokumentation des Londoner Stadtteils Hackney.

Vojin Kocić im Gespräch mit Yanik Schubiger
«Oft nehme ich die Gitarre und entfliehe dem Alltag»
Mit dem Serben Vojin Kocić erhält 2015 erstmals ein Gitarrist den Prix Credit Suisse Jeunes Solistes.

Andreas Hildenbrand im Gespräch mit Oliver Prange
«Luzern ist an sich schon eine schöne, lebenswerte Stadt, aber in Zeiten des Festivals ist die Atmosphäre absolut einmalig»
Der Kommunikationschef der Zurich Versicherung     erzählt über die Hintergründe der langjährigen Zusammen-arbeit mit dem Lucerne Festival.

John Baldessari (Bild)
Beethovens Trompete (mit Ohr)

 

ORPHEUM STIFTUNG


Peter Stücheli-Herlach
Soli – über die Poietik des Anderen
Ein Essay über das solistische Wirken in der Kunst – und was es für die Gesellschaft bedeuten kann.

Hans Heinrich Coninx im Gespräch mit Oliver Prange
«Immer wieder namhafte Dirigenten und talentierte 
junge Künstler zusammenführen»Der Gründer und Stiftungspräsident über bescheidene Dirigenten, aufstrebende Talente und künstlerische Herausforderungen.

Silvester Vieli
Magie der Musik – Zauber der Jugend
Eine Chronik der Orpheum Stiftung von ihren Anfängen 1990 bis heute.

Werner Pfister
«Talent und Ehrgeiz allein genügen nicht»
Was macht die Orpheum Stiftung besonders und so erfolgreich? Ein Werkstatt-Besuch und ein facettenreicher Blick hinter die Kulissen.

Tobias Hell
Howard Griffiths – der Dirigent als Detektiv 
Der preisgekrönte Dirigent leistet als künstlerischer Leiter der Stiftung spannende Detektivarbeit beim Aufspüren junger Talente.

Claudia Coninx-Kaczynski im Gespräch mit Oliver Prange
«Ich bin mit klassischer Musik aufgewachsen. 
Das hat mich geprägt» Seit drei Jahren setzt sich Claudia Coninx-Kaczynski als Stiftungsrätin bei Orpheum für Events mit Strahlkraft ein.

Philippe Jordan im Gespräch mit Christian Berzins
«Reife ist keine Frage des Alters»
Der Schweizer Dirigent Philippe Jordan ist – wie sein Vater Armin Jordan und sein Mentor Daniel Barenboim – Mitglied des Orpheum-Kuratoriums. Mit dem gemeinsamen Auftritt eines ehemaligen Orpheum-Solisten und einer jungen Orpheum-Künstlerin sorgt er dieses Jahr für eine solistische Novität.

Christian Berzins
Forschen, zweifeln, verzweifeln – und schliesslich geniessen
Der Schweizer Pianist Oliver Schnyder war einst im Ausland berühmter als in der Heimat. Dank der Orpheum Stiftung hat sich das nun geändert.

Nikolaj Znaider im Gespräch mit Oliver Prange
«Ich habe kein Lieblings-Irgendwas. Für mich ist wichtig, was ich im Moment tue. Vielleicht Mozart»

Iskandar Widjaja im Gespräch mit Oliver Prange
«Ich benutze meinen kompletten Körper zur Klangerzeugung»

Nicolas Altstaedt im Gespräch mit Oliver Prange
«Es ist für jeden Musiker ein Privileg, diesen Beruf ausüben zu können»

Alice Sara Ott im Gespräch mit Oliver Prange
«Ich musste ein Jahr kämpfen, um meinen Willen durchzusetzen»

 

 


  Du 858 | Juli 2015 | Humor – Literarische Hochkomik

Humor

Literarische Hochkomik

Lachen, Lust und Leidenschaft

Von Oliver Prange

«Humor ist die Begabung eines Menschen, der Unzulänglichkeit der Welt, den alltäglichen Schwierigkeiten und Missgeschicken mit heiterer Gelassenheit zu begegnen», heisst es im Duden. Diese Auffassung ist in dem Sprichwort ausgedrückt: Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Dass der Humor eine ernste Angelegenheit ist, weiss jeder, der ihn hat. Es sind oft Skeptiker, die sich in den Humor flüchten, wie Wilhelm Busch, dessen Bildgeschichten das Abgründige des Menschen darstellen. Humor entsteht oft, indem er sich auf Unzulänglichkeiten bezieht, er ist also pessimistisch. Aber im Humor liegt auch die Möglichkeit der Wende zur Besserung. In einem philosophischen Wörterbuch heisst es: «Der Humor sieht am Ernsthaften und Grossen das Unbedeutende und Kleine. Umgekehrt sieht der Humor auch am Vernunftwidrigen noch das Vernünftige. Er ist ohne Schärfe und getragen von Ernst, Liebe und Freiheit des Geistes.» Kant definiert Humor sinngemäss, der Himmel habe uns als Entschädigung für die Mühseligkeiten des Lebens zwei Dinge gegeben, die Hoffnung und den Schlaf, vielleicht noch ein drittes, das Lachen, das sich allerdings bei Vernünftigen nicht so leicht erregen lasse. Es gibt sehr wenige Menschen mit Humor, die meisten haben keinen. Da gibt es die Ideologen, die Fundamentalisten, sie haben keinen Humor, weil sie ja Bescheid wissen, alle Rätsel gelöst haben. Auch Politiker haben selten Humor, weil es ihnen um Macht geht, da gibt es nichts zu lachen. 
Der Schriftsteller Bernd Eilert, seit vielen Jahren Autor des Komikers Otto Waalkes, hat für Du eine Auswahl humoristischer Texte grosser europäischer Literaten zusammengestellt: «Robert Walser ging so weit, dass er seine autobiografisch angelegten Helden permanent scheinbar unfreiwilliger Lächerlichkeit preisgibt.» – Thomas Mann hielt Fjodor M. Dostojewski, diesen Gekreuzigten, auch für einen ganz grossen Humoristen. «Er war womöglich der grösste; schon weil er das Risiko einging, missverstanden zu werden, was er bis heute auch zuverlässig wird.» – James Joyce liess im Ulysses kaum ein Wortspiel aus. «Wir werden Zeugen der feierlichen In­auguration des einfachen Anzeigen-Akquisiteurs Leopold Bloom zum ‹Kaiserprätendenten und Königsvorsitzenden und höchstdurchlauchtigsten, mächtigen und gewaltigen Lenker dieses Reiches›. Dort regiert seine Majestät, der Superlativ.» – «Eine allerletzte Frage: Was haben wir dem Tier eigentlich noch voraus? Das Lachen? Robert Musils Pointe haben wir nichts mehr hinzuzufügen.»
Diese Ausgabe des Du entsteht zum fünften Mal in Zusammen­arbeit mit dem Lucerne Festival; wir bespielen dasselbe Thema: Humor. «Auch im Musentempel darf gelacht werden», schreibt Dramaturgin Susanne Stähr. «Mozart komponierte 1787 ein Divertimento für vier Streicher und zwei Hörner, das unter dem Titel Ein musikalischer Spass ins Repertoire einging. Warum – das kann jeder sofort hören: Mozart persifliert hier nicht nur die plumpe und fehlerhafte Satztechnik der dilettierenden Konkurrenz, nein, er lässt auch die Hörner falsch transponieren und schreibt den Musikern vor, sich zu verspielen und dadurch schräge Dissonanzen hervorzubringen.»
Wir bedanken uns bei der Credit Suisse, dem Hauptsponsor des Lucerne Festival, für die Unterstützung dieser Ausgabe. 
Auch im Sonderteil dieser Ausgabe geht es um klassische Musik. Die Orpheum Stiftung zur Förderung junger Solisten feiert ihr 25-Jahr-Jubiläum. Der Gründer und Stiftungspräsident Hans Heinrich Coninx möchte jungen, aufstrebenden Künstlerinnen und Künst­lern die Möglichkeit geben, mit renommierten Orchestern und Dirigenten aufzutreten. Das bedeutet für diese Musiker nicht nur künstlerische Begegnungen auf höchstem Niveau, sondern oftmals auch einen Karriereschub. Doch der musikalische Austausch von frischen Interpretationsideen und Reife begeistert auch das Publikum.