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Du 895 | September 2019
Basel und der Fussball
ISBN:
978-3-905931-94-5
Preis:
CHF 20.- / EUR 15.-

Status:
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Inhalt Du 895

Josef Zindel
Chronik: 125 Jahre FC Basel

Bernhard Burgener im Gespräch mit Oliver Prange
«Der FCB soll ein Identifikationsfaktor der Stadt Basel sein»
Bernhard Burgener wurde vor zwei Jahren Präsident des FCB. Er will den Verein für junge, aufstrebende Spieler öffnen. 

Thilo Mangold
Das Basler Dreieck
Die Fasnacht, die Kulturinstitutionen und der FC Basel bilden den sozialen Kitt der Stadt, bestimmen ihre Identität und beeinflussen sich gegenseitig. 

Roland Suter und Roland Heri im Gespräch mit Oliver Prange
«Der Schweizer Fan ist kein Sammler»
Der Basler Kabarettist Roland Suter und FCB-CEO Roland Heri über grosse Momente im Stadion, umstrittene neue Geschäftszweige und die Besonderheiten der Basler Fan-Szene. 

Thilo Mangold
Zwischen Romantik und Kommerz
Fussballvereine müssen heute Tradition und Business vereinen, um erfolgreich zu sein. Zu viel Geschäft verärgert die Fans, zu wenig schadet der Bilanz. Der FC Basel kämpft um die richtige Balance. 

Basis FCB
Viele Fussballer starteten ihre grossen Karrieren in Basel. Der FCB war ihr Sprungbrett.

Josef Zindel im Gespräch mit Oliver Prange
«Die Basler leben, was sie lieben, fast bis zum Exzess»
Der Journalist und FCB-Chronist Josef Zindel weiss, warum der einst unbedeutende Klub zum Champions-League-Teilnehmer wurde, wo im Stadion die Hardcore-Fans stehen und worauf es im Fussballgeschäft ankommt. 

Was habe ich beim FCB gelernt?

Klaus Theweleit
Verwandlung und Ventil
Schreien, pöbeln, schimpfen. Im Stadion dürfen Fans ungehemmt Dinge tun, die sonst nicht gern gesehen werden. Der Fussball als Ventil einer Gesellschaft. 

Laurent Dubois
Die ganze Welt in neunzig Minuten
Manche finden es seltsam, dass der FC Basel mit einem indischen Klub zusammenarbeitet. Dabei kennt der Fussball weder Grenzen noch Sprachbarrieren. 

Mandy Barker im Gespräch mit Ute Noll
Penalty
Fussbälle landen als Müll in unseren Ozeanen. Die Künst­lerin und Umweltaktivistin Mandy Barker hat sie eingesammelt und faszinierende Kunstwerke daraus gemacht.

Peter Sloterdijk im Gespräch mit Peter Kümmel und Cathrin Gilbert
Bleibt der Fussball mystisch?
Der Philosoph Peter Sloterdijk ist begeisterter Radfahrer und Fussball-Fan. Die Entzauberung, die der Radsport schon durchlebt hat, wird der Fussball noch erleben, sagt er. 

Paul Hoyningen-Huene
Können und Zufall
Unser Leben ist oft von Unwägbarkeiten bestimmt. Unkalkulierbar, mit nicht vorhersehbaren Wendungen. So wie der Fussball. Zieht er deshalb so viele Menschen in seinen Bann?

César Luis Menotti im Gespräch mit Martin Henkel
«Das Leben verträgt auf Dauer keinen Exzess»
Kurz vor der Weltmeisterschaft in Deutschland 2006 sprach der Trainer und Fussballphilosoph César Luis Menotti darüber, welche gesellschaftlichen Strömungen Einfluss auf den Fussball haben und was die Essenz des Spiels ist. Das ist heute noch so aktuell wie vor dreizehn Jahren.


  Du 895 | September 2019 | Basel und der Fussball

Basel und der Fussball

Die Kraft des Gemeinschaftsgefühls

Von Oliver Prange

Was ein Fussballklub für das kulturelle Leben einer Stadt bedeuten kann, möchten wir mit dieser Du-Ausgabe am Beispiel des FC Basel 1893 aufzeigen. Warum Basel? Diese Stadt tickt anders als andere Städte. Die Basler leben, was sie lieben, bis fast zum Exzess: Fasnacht, Museen und Theater sowie den FCB. Das sind die wichtigsten Säulen, die den Menschen ein Gefühl der Zusammengehörigkeit geben. Bei Fasnacht und Klub machen alle Generationen und Schichten mit, sogar die Leute aus dem sogenannten Daig, Milliardäre aus der Chemie- und Pharmabranche. Die Begeisterung pflanzt sich von Generation zu Generation fort. Der Basler St. Jakob-Park, genannt Joggeli: Es gibt keinen anderen Ort in der Schweiz, an dem fast jede Woche 6000 Jugendliche auf engem Raum versammelt sind. In der Muttenzerkurve wird Stimmung gemacht. Der Klub und das Stadion wirken identitätsstiftend und fördern das Gemeinschaftsgefühl von Stadt und Region. Warum der Fussball eine solche Kraft und Anziehung besitzt, möchten wir hier auch mit anderen Texten über diesen die Welt vereinigenden Sport zeigen. In den letzten fünfzehn Jahren spielte der FCB sechs Champions-League-Spiele gegen den umsatzstärksten Fussballklub der Welt: Manchester United. Die Bilanz ist ausgeglichen: zweimal gewonnen, zweimal unentschieden, zweimal verloren. Das ist für einen kleinen Schweizer Klub eine hervorragende Leistung. Doch jeder Hype geht irgendwann zu Ende. Nach acht hinter­einander gewonnenen Meisterschaften schlich sich beim FCB eine gewisse Sättigung ein, im Verein, vor allem aber bei den Fans. Das komplette Management veränderte sich. Neuer Präsident ist seit zwei Jahren der Selfmademan Bernhard Burgener, der sich einen Namen gemacht hat mit der Vermarktung der Champions League, von Box-weltmeisterschaften und den Wiener Philharmonikern sowie mit der Constantin Film AG, mit Laaser Marmor für den Ground Zero in New York und für die Scheich-Zayid-Moschee in Abu Dhabi. Burgener ist ein Entertainment-Künstler. Burgener errang mit dem FCB in den letzten zwei Jahren immer noch sportliche Erfolge, den Schweizer Cup, landete aber in der Liga auf Platz zwei. Mit so etwas muss man bei einem Umbruch rechnen. Doch was die Fans aufschreckte, war die Angst vor dem Verlust ihrer Kultur. Der Fussball steht heute mehr denn je vor der Frage, wie viel Kommerz er verträgt, ohne dass er sein Gesicht verliert. Diese Frage, von der auch der FC Basel nicht unberührt bleibt, diskutieren wir in einigen Beiträgen und Interviews. Denn neu investierten Burgener und sein Team nun in Fifa-eSports, das ist Konsolenfussball – eine völlig andere Szene, in der Fans per Computer im Namen von Klubs und Stars gegeneinander antreten –, und in den indischen Fussballklub Chennai City. Die Fans fürchteten den Verlust der identitätsstiftenden Kraft ihres Klubs, glaubten, dem FCB könnte das Gleiche passieren wie grossen europäischen Vereinen: die Übernahme durch russische, arabische, chinesische Oligarchen oder Prinzen. Das erzeugte dieses Jahr Panik und schlechte Presse. Jetzt geht es darum, den Kontakt zu den Fans wieder ins Lot zu bringen.