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Du 915 | Juli 2022
Im Casino
ISBN:
978-3-907315-14-9
Preis:
CHF 20.- / EUR 15.-

Status:
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Inhalt Du 915

Marc Baumann
Casinos. Zwischen Himmel und Hölle
Lange galten die Orte des Glücksspiels als Horte der Sünde und des Lasters. Doch das waren sie nie ausschliesslich und sind es heute nur noch selten.

Michael Kohtes im Gespräch mit Peter Henning
«Am Spieltisch geht es um das Heiligste, was wir Menschen kennen»
Der Hasardeur, der Zocker, der wahre Spieler. Im Casino trifft man auf verschiedene Typen, die ihr Glück im Zufall suchen. Michael Kohtes erklärt, was sie ausmacht.

Christian Siedenbiedel
Auf Schwarz folgt Rot?
Im Casino versuchen wir, den Zufall auszutricksen, ihm zu­vorzukommen. Rational ist das nicht, denn es kann nicht gelingen. Warum der Mensch es trotzdem versucht, hat seine Gründe.

Jörg Häntzschel
Fantasie aus Licht, Wasser und Beton
Megalomanie ist schon lange Teil der Kultur in Las Vegas. Früher bildete Mafiageld das Fundament der Träume. Dann kamen Immobilienentwickler und investierten verrückte Summen in gewaltige Resorts. Das Glücksspiel belohnte ihre Risikofreude meistens.

Marcus Jost im Gespräch mit Oliver Prange
«Es geht äusserst selten um Millionenbeträge»
Marcus Jost ist der Direktor des Casinos Zürich. Er hat sich in der Welt des Glücksspiels kontinuierlich nach oben gearbeitet und weiss genau, was ein Casino erfolgreich macht.

Sam Kov und Ryszard Pilat im Gespräch mit Oliver Prange
«Beim ersten Mal sind die Besucher mit dreissig, vierzig, fünfzig Franken zufrieden und gehen. Später wollen sie mehr»
Casinos sind in der Schweiz verpflichtet, ihre Gäste vor dem Kontrollverlust zu bewahren und die möglichen schädlichen Folgen des Glücksspiels zu mindern. Wie das geht, erzählen Sam Kov, Compliance Officer von Swiss Casinos, und Ryszard Pilat, Sozialkonzeptverantwortlicher beim Casino St. Gallen.

Christoph Boo im Gespräch mit Oliver Prange
«Ich erlebe schon skurrile Sachen»
Christoph Boo gehört zu den besten Croupiers Europas. 2014 und 2019 war er Schweizer Meister, und 2022 gewann er den Europameister-Titel. Bestimmt auch, weil er geschickte Hände hat. Boo arbeitet nebenher als Karten-­Zauberkünstler.

Franz Eidenbenz im Gespräch mit Oliver Prange
«Betroffene glauben zuerst, dass sie ein Finanzproblem haben»
Der Weg in die Spielsucht passiert oft schleichend. Der Psycho­loge Franz Eidenbenz weiss, wie man das Problem frühzeitig erkennen kann und was man tun muss, wenn man nicht mehr aufhören kann, sein Glück im Spiel zu suchen. 

Lee Ferran
Immer auf die 17
James Bond verbringt in seinen Abenteuern viel Zeit in Casinos. Er ist ein erfahrener Spieler mit ausgeklügelten Strategien, die ihm satte Gewinne bescheren. Ob das auch gelingt, wenn man sein System einfach kopiert?

Fjodor Dostojewski
Im Fieber
Fjodor Dostojewski war spielsüchtig, verlor Unmengen an Geld in Baden-Baden, in Roulettenburg, wie er die Bäderstadt in seinem Roman Der Spieler nennt. Dort beschreibt er genau, in welche Abgründe das Glücksspiel führen kann, aber auch zu welchen Höhen. Wie in diesem Auszug.

André Castaigne
Ein Pistolenschuss ist nie zu hören
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts reiste der Maler André Castaigne nach Monte Carlo. Er traf auf Blender, Snobs, falsche und echte Adlige, gefangen in ihrer Spielsucht und dem Wunsch nach schnellem Reichtum. Und immer bedroht vom Ruin. Ein Sittengemälde.

David G. Schwartz
Im Auge des gefrässigen Tigers
Macau durchlief in seiner Geschichte mehrere Häutungen. Vom Fischerdorf und Kolonialstandort wurde es im Laufe des 20. Jahrhunderts zur grössten und führenden Spielothek der Welt. Wie ist das gelungen?

Paul Steelman im Gespräch mit dem Gaming Law Journal
«Ich bin ein kommerzieller Architekt»
Paul Steelman hat mit seinem Unternehmen eindrucksvolle Casinos auf der ganzen Welt gebaut. Er ist in diesem Bereich der erfolgreichste Architekt der Welt. Im Gespräch erzählt er, welche Bauwerke speziell wichtig sind und was die Besonderheiten des Casinodesigns sind.


  Du 915 | Juli 2022 | Im Casino

Im Casino

Zwischen Himmel und Hölle

Von Oliver Prange

«Es war Viertel nach zehn; ich betrat den Spielsaal so hoffnungsvoll und gleichzeitig in einer solchen Erregung, wie ich sie noch nie erlebt hatte.» Ein Satz von Fjodor Dostojewski in seinem Roman Der Spieler, in dem er beschrieb, in welche Abgründe das Glücksspiel führen kann, aber auch zu welchen Höhen. Casino. «Angefangen hat alles im Venedig des frühen 17. Jahrhunderts, damals eine mächtige, aber auch dreckige und übel riechende Stadt», schreibt Marc Baumann, CEO von Swiss Casinos. Wegen ihrer Grösse wurden sie als casinos bezeichnet, kleine Häuschen. Es waren Umkleideräume für die Nobili auf dem Weg in die Stadt. Und sie eigneten sich hervorragend als Liebeshäuschen und Stätten der Geselligkeit ausserhalb der Palazzi. Auch der als Frauenheld in die Geschichte eingegangene Schriftsteller Giacomo Casanova wohnte zeitweise in einem dieser Casinos. Sprung ins 20. Jahrhundert. 1941 wurde das erste Hotel-Casino El Rancho Vegas eröffnet, dann das legendäre Flamingo. Warum in der Wüste von Nevada? Mit dem Hoover-Damm gab es plötzlich Strom. Die Mafia aus Chicago und Miami musste ihr illegal verdientes Geld waschen. Sie verlor dieses gern in den Casinos, die ihnen ja selbst ge­­hörten. Heute sind Las Vegas und Macau die grössten Entertainment­städte der Welt. Unterhaltung, Shows, glitzernde Fassaden, Übermut: «Was in Las Vegas passiert, bleibt in Las Vegas.» In der Schweiz begannen die Glücksspiele mit Spielsalons in den 1980er-Jahren. Erst später wurden sie legal, und 2002 öffneten die ersten Casinos ihre Tore. Doch es gibt ein ernsthaftes Problem: die Spielsucht. Spieler freuen sich, wenn sie gewinnen, aber einige können nicht mehr aufhören, wenn sie verlieren, weil sie Verluste wieder wettmachen wollen. Resultat: Schulden. Das betrifft viele ­Familien. Und darum sind Casinos in der Schweiz dazu verpflichtet, ihre Gäste vor dem Kontrollverlust zu bewahren, die Spielgesetze sind streng. Wir thematisieren die Problematik in dieser Du-Ausgabe – nebst der Geschichte der Casinos, zum Beispiel mit einem ­Situationsbericht aus Monte Carlo im Jahr 1902. Menschen wollen Unterhaltung, wollen spielen, wollen andere Hasardeure, Zocker, Blender, Snobs, falsche und echte Adlige ken­-nen­lernen, wollen ein bisschen James Bond sein. Im Casino ist all das möglich. Bei Swiss Casinos bedanken wir uns für die enge und gute Zusammenarbeit.