Du 863 | Februar 2016
Zukunft
ISBN:
978-3-905931-60-0
Preis:
CHF 20.- / EUR 15.-

Status:
an Lager
Abonnieren Kaufen Lesen

Inhalt Du 863

Yuval Noah Harari im Gespräch mit der Zeitung Haaretz
«Wir sind die Affen, die den Schlüssel zum Universum in den Händen halten»
Was unterscheidet den Menschen vom Tier? Wozu sind Revolutionen gut? Wohin führt technologischer Fortschritt? Die Herausforderung für die Zukunftsforschung besteht darin, auf die grossen Fragen der Menschheitsgeschichte neue Antworten auf ungesichertem Terrain zu finden. 

Martin Roemers (Bilder), Els Barents (Text)
Metropolis

Ulrich Eberl
Die Zukunft
Ist die Menschheit am Ende des 20. Jahrhunderts an die Grenzen des Wachstums gestossen? Spätestens seit der legendären Publikation des Club of Rome liefert diese Frage Zündstoff für jede Diskussion um unsere Zukunft. 

Christian Müller und Daniel Straub
Zukunft gestalten
Das bedingungslose Grundeinkommen ermöglicht erfülltes Leben, hohe Effizienz und Glück. Für viele ist die Idee eine verrückte Utopie. Dieser Essay baut eine Brücke von heute in eine Wirklichkeit von morgen.

Bertolt Meyer im Gespräch mit Georges T. Roos
Frankenstein 2050
Noch dienen smarte Prothesen Menschen mit Behinderung, diese zu kompensieren. In Zukunft könnten künstliche Körperteile besser sein als ihre biologischen Originale.

Jamey Stillings (Bilder und Text)
The Evolution of Ivanpah Solar

Andrew McAfee
Technologie beeinflusst Bildung – und umgekehrt.Manchmal auch mit radikalen Eingriffen
In naher Zukunft werden Androiden unsere Jobs übernehmen – zumindest die Jobs, die wir heute kennen. Dies prognostiziert der renommierte Wirtschaftswissenschaftler Andrew McAfee. 

Luisa Whitton im Gespräch mit Hiroshi Ishiguro
«Das Herz ist der einfachste Teil, die Leber ist schwieriger»

Ulrike Guérot im Gespräch mit Nadja Schnetzler
«Wir brauchen eine neue europäische Revolution»

Bruno Giussani im Gespräch mit Alain Zucker
Wie sich unser Leben verändert
Die Digitalisierung dringt immer weiter in unser Leben vor. Es gibt Ökonomen, die dieser Entwicklung eine grössere Wirkung vorhersagen als die der Erfindung von Dampfmaschine oder Elektrizität.

Michael Najjar (Bilder)
Netropolis

Antje Schrupp im Gespräch mit Nadja Schnetzler
«Die Idee des Grundeinkommens braucht eine Diskussion über Geschlechterrollen, sonst wird sie scheitern»

Michael Najjar (Bilder)
Bionic Angel

Otto Scharmer im Gespräch mit Thomas Steininger
Jede Krise beginnt im Kopf. Wie wir die ökologische, soziale und spirituelle Trennung überwinden können
Otto Scharmer, Berater diverser Regierungen und Non-Profit-Unternehmen, entwirft eine Perspektive, wie die zukünftige Transformation vom Ego-System-Bewusstsein zum Öko-System-Bewusstsein aussehen könnte.

Matthew Brandt (Bild)
Stone Lagoon CA 2, aus Lakes and Reservoirs

Jeremy Rifkin im Gespräch mit Uwe Jean Heuser
«Der Kapitalismus wird das Wirtschaftsleben nicht mehr allein dominieren»
Internet, Energie, Arbeitswelt: «Wir erleben den grössten Umbruch seit Beginn des Kapitalismus», sagt der Zukunftsforscher Jeremy Rifkin.

Henrik Spohler (Bilder)
The Third Day

Sarah Schilliger im Gespräch mit Nadja Schnetzler
«… dass man sich traut, das heutige Gesellschaftssystem infrage zu stellen»

Phillip Toledano (Bilder), James Estrin (Text)
Maybe


  Du 863 | Februar 2016 | Zukunft

Zukunft

Wie wir morgen leben Dem heutigen Wissenschaftler Bertolt Meyer fehlte der linke Unterarm, als er zur Welt kam. Die Kindheit war schwierig, also forschte er, um die Behinderung durch Technik zu lindern. Heute hat der in Chemnitz lehrende Professor eine Prothese, die sich durch sein Gehirn steuern lässt. Er ist damit ein Cyborg, wie man ein Mischwesen aus lebendigem Organismus und Maschine bezeichnet. Meyer arbeitet am sogenannten bionischen Menschen, der sogar künstliches Blut hat, eine Flüssigkeit, die mit anorganischen Nanopartikeln angereichert ist. Heute sind bionische Körperteile Nischenprodukte, doch was, wenn ein künstliches Herz oder eine künstliche Leber besser funktioniert als das organische Original? Dann fielen jegliche ethische Bedenken über Bord, so Meyer. Mit Hochdruck wird anderswo auch am künstlichen Gehirn gearbeitet. Künftige Rechner sollen die Zusammenhänge von Begriffen, die Struktur von Sätzen oder die Bedeutung von Bildern verstehen. Mit lernenden Systemen, die auf Basis von neuronalen Netzen der Funktionsweise des Gehirns nachempfunden sind, haben Forscher in den letzten Jahren bereits grosse Erfolge erzielt, insbesondere beim Erkennen von Bildinhalten und beim Verstehen von Sprache. Das Computerprogramm Watson von IBM, das 2014 in einer Fernseh-Quizshow gegen die menschlichen Champions gewann, kann zu bestimmten Wissensgebieten mit Fragen in Alltagssprache gefüttert werden. Bisher hat der Mensch seine Umwelt verändert, um die eigenen Einschränkungen auszugleichen. Nun sind wir auf dem Weg, uns selber zu verändern. Das führt zur Frage: Wie weit sind wir davon entfernt, dass Roboter menschengleich sind? In dieser Ausgabe von Du werfen wir einen Blick in die Zukunft. Das Internet vernetzt die Gesellschaft, die Automatisierung verändert die Industrie, Roboter übernehmen unsere Arbeit: Die Digitalisierung dringt immer weiter in unser Leben vor. «Alle grossen wirtschaftlichen Systemveränderungen der Geschichte – vom frühen Agrarwesen über die feudale Gesellschaft bis zum industriellen Kapitalismus – haben drei Dinge gemeinsam: neue Kommunikationswege, um die Wirtschaft zu organisieren, neue Formen von Energie, um die Wirtschaft anzutreiben, und neue Arten von Transport und Logistik», sagt Zukunftsforscher Jeremy Rifkin. So verband die industrielle Revolution im 20. Jahrhundert die zentralisierte Stromversorgung, das Telefon, das Radio und das Fernsehen mit billigem Öl als Treibstoff für Autos, Busse oder Lastwagen auf nationalen Strassennetzen. Doch dieses System geht auf sein Ende zu. Es wird Umwälzungen geben. «Viele der heutigen Jobs werden durch Roboter erledigt werden, die aber nicht aussehen wie R2-D2 aus Star Wars», sagt Bruno Giussani, Direktor der Innovationskonferenz TED. Sie sind in Wänden versteckt, im Schreibtisch und bewegen Dinge. Die neuen intelligenten Maschinen werden komplexe Sachen verstehen wie eine juristische Recherche. Bisher machten das gut ausgebildete Mitarbeiter: Sie durchstöberten für einen Anwalt die ganze Literatur. Ein solches Durchforsten bekommt eine Maschine heute viel schneller und mit minimalen Fehlern hin. Doch was geschieht, wenn Roboter unsere Arbeit machen? Da werden radikale Ideen wie das bedingungslose Grundeinkommen aktuell. «Wir müssen den Leuten einen Lohn bezahlen, damit sie überleben, aber auch, um die Marktwirtschaft am Laufen zu halten. Jemand muss die Produkte ja kaufen, die die intelligenten Maschinen herstellen», sagt Giussani. «Wie kommen wir von einem bequemen zu einem guten Leben?» fragen Daniel Straub und Christian Müller vom Institut Zukunft und landen ebenfalls beim bedingungslosen Grundeinkommen. In ihrem Essay stellen sie diese umstrittene Idee dar, und unternehmen den Versuch, deren Machbarkeit aufzuzeigen. Das Auto, Kernbestandteil der Wirtschaft im 20. Jahrhundert, bekommt eine andere Bedeutung. Wir wollen es nicht mehr besitzen. Wir wollen Mobilität statt Eigentum. Durch GPS-Führung und Carsharing kann man dieselbe Mobilität wie heute mit achtzig Prozent weniger Autos erreichen. Und von den verbleibenden zwanzig Prozent werden mehr und mehr mit erneuerbarem Strom fahren. Wie ernähren wir die Menschheit? Da in den Städten des Jahres 2050 etwa 6,5 Milliarden Menschen leben werden – das sind fast so viele wie die gesamte derzeitige Weltbevölkerung –‚ müssen wir die Nahrung vor Ort erzeugen. Singapur will Obst- und Gemüseplantagen samt Viehzucht im Wolkenkratzer unterbringen. «Wir haben ein Programm aufgelegt, das Grünflächen auf Hochhäusern fördert», erklärt Richard Hoo von der Stadtentwicklungsbehörde. «Bis 2030 sollen auf Gebäuden fünfzig Hektar bepflanzt sein, auf Dächern ebenso wie auf Fassaden oder Balkonen.» Die hängenden Gärten von Singapur sollen auch als natürliche Klimaanlage dienen und die Temperatur in der Stadt um einige Grad senken. Wohin mit dem Abfall? Im Pazifik schwimmt heute zwischen Kalifornien und Hawaii ein Müllteppich mit hundert Millionen Tonnen kleiner Kunststoffteilchen auf einer Fläche, doppelt so gross wie Deutschland. Niemand mag sich ausmalen, wie die Meere der Welt in vierzig Jahren aussehen könnten. Doch ein Leben ohne Abfall ist im Prinzip machbar. Der Umweltforscher Michael Braungart hat in seinem Buch Cradle to Cradle (von der Wiege zur Wiege) ein Konzept entwickelt, nach dem Abfall zur Nahrung wird. Die Menschen können ihre Produkte gefahrlos gebrauchen, weil sie nützlich für die Umwelt oder endlos wiederverwertbar sind. «Wenn nicht alle Zeichen trügen, wird die Menschheit in der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts vor allem eine Herausforderung bewältigen müssen: den Umbau ihres gesamten Energiesystems», schreibt Zukunftsforscher Ulrich Eberl. Weg von den fossilen Rohstoffen wie Kohle und Öl, hin zu einer Kultur der Nachhaltigkeit mit einem hohen Anteil an erneuerbaren Energien: Sonne und Wind, Erdwärme und Biomasse, Wasser- und Wellenkraft. Die grösste Vision für das Jahr 2050 ist eine individuelle Medizin – eine auf den einzelnen Menschen perfekt zugeschnittene Diagnose und Behandlung. Der Fokus auf den Menschen könnte das bestimmende Element der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts sein – und dies würde noch weit über die Bekämpfung von Krankheiten und die Verlängerung des Lebens hinausgehen. Neben dem Ziel, gesund alt zu werden, steht dann der Kern des Menschen im Zentrum: unser Gehirn und all die anderen komplexen Vorgänge in unserem Körper. Wir bedanken uns beim Institut Zukunft für die Zusammenarbeit.