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Du 892 | Mai 2019
Italiener in der Schweiz
ISBN:
978-3-905931-91-4
Preis:
CHF 20.- / EUR 15.-

Status:
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Inhalt Du 892

Die Grundlagen italienischer Kultur in der Schweiz 

Marina Frigerio im Gespräch mit Oliver Prange
«Man ist mit diesen Menschen sehr schlecht umgegangen»
Die Psychologin Marina Frigerio hat drei Bücher über italienische Einwanderer in der Schweiz geschrieben. Sie kennt deren Probleme und Lebenswege also genau. Hier erzählt sie von ihnen. 

Leonardo La Rosa
Heimat bleibt Heimat?
Die Schweiz verändert die Italiener, die hierherkommen. Und sie verändern wiederum das Land ihrer Ahnen. Durch das Geld, das sie zurückschicken, durch die Häuser, die sie dort bauen, durch die Ansprüche, an die sie sich im Norden gewöhnt haben. 

Italiener in der Schweiz – Teil I

Villi Hermann
Stollen, die kaputtmachen
Es wird oft vergessen: Italiener ermöglichten das Technikwunder Gotthardtunnel. Der Filmemacher Villi Hermann erinnert an sie. 

Sabina Bellofatto
Elastisch wie Spaghetti
Heute ist die italienische Küche aus dem kulinarischen Alltag der Schweiz nicht mehr wegzudenken. Bis sie dort ankam, nahm sie aber mehrere Umwege und veränderte sich immer wieder. 

Franco Supino
Napolithurn
Franco Supino lebt seit seiner Geburt in Solothurn. Von seiner Kindheit an waren seine italienischen Wurzeln und die ihn umgebende Schweizer Kultur ineinander verwoben. Getrennt haben sie nur die anderen. 

Italiener in der Schweiz – Teil II

Michele Dell’Ambrogio
Erst Opfer, dann Spiegel der Intoleranz
Das Bild des italienischen Immigranten im Schweizer Film.

Italiener in der Schweiz – Teil III

Evan Ruetsch 
Schon integriert?
Über die Frage, ab wann man allumfassend Schweizer ist. Wie man einer werden kann, und ob man das überhaupt möchte. 


  Du 892 | Mai 2019 | Italiener in der Schweiz

Italiener in der Schweiz

Migration: Fluch und Segen

Von Oliver Prange

Das Thema Migration bewegt die Menschen in jedem Land, überall und immer. In diesen Zeiten zeigt sich das am Brexit, an der syrischen Flüchtlingswelle nach Deutschland, an der geplanten Mauer zwischen Mexiko und den USA. Menschen verlassen seit je ihre Heimat, aus politischen oder wirtschaftlichen Gründen, um im Ausland eine Zukunft zu finden. Wir zeigen in dieser Du-Ausgabe die Geschichte einer über hundert Jahre alten Emigration, jener aus Italien in die Schweiz. Schon vor 1900 strömten Tausende von Italienern für den Tunnelbau der Gotthardbahn hierher, vor allem Bergbauern, die in ihrer Heimat keine Zukunft hatten. Während der faschistischen Diktatur kamen auch politische Flüchtlinge. Mit dem Wirtschaftsaufschwung der Sechziger- und Siebzigerjahre folgten dann viele Arbeiter aus Süditalien, die als Saisonniers auf dem Bau, aber auch in den Fabriken und im Gastgewerbe arbeiteten. Sie brachten nochmals eine andere Kultur in die Schweiz als ihre Landsleute aus Norditalien. In der Schweiz betrachtete man die Italiener als Halunken, es gab massive Fremdenfeindlichkeit, und man warnte die heimischen Frauen vor ihnen. Die Italiener trotzten diesen Anfeindungen. Zum Glück! Denn sie brachten das Lebensgefühl des Mittelmeers in die Schweiz, mit ihrer Kultur und vor allem: ihrem Essen. Trotz kargen Arbeiterlöhnen erhielten sich viele Stil, Schönheit und Eleganz, durch ihre Kleider, durch ihre Lebensart: fare bella figura. Das tat den damals biederen Schweizern unglaublich gut. Aber die Migranten litten nicht nur unter der alltäglichen Ausgrenzung: Ihr Aufenthalt war oft auf knapp ein Jahr beschränkt, sie durften ihre Angehörigen nicht mitbringen, vor allem ihre Kinder nicht, wodurch diese entweder daheim bei den Grosseltern aufwuchsen oder als Illegale in Schränken und unterm Bett versteckt wurden und nicht zur Schule gingen. Die Geschichte der Italiener in der Schweiz ist dennoch nicht nur traurig, sondern auch voller Hoffnung. Durch die Schicksale entstanden untereinander Innigkeit, Solidarität, Freundschaft, Verbundenheit, ein neues Zugehörigkeitsgefühl. Heute haben sich Italiener und Schweizer vollkommen durchmischt, viele Nachfahren haben grossartige Karrieren gemacht, von denen wir in dieser Ausgabe einige vorstellen dürfen. Diese Beispiele zeigen auf, dass man vor Migration keine Angst haben sollte – sie wird ja oft genug politisch missbraucht –, sie stellt auch eine wunderbare Chance für die Weiterentwicklung eines Landes dar.