Du 867 | Juni 2016
Bernhard Luginbühl
ISBN:
978-3-905931-63-1
Preis:
CHF 20.- / EUR 15.-

Status:
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Inhalt Du 867

Jochen Hesse
Frühwerk
Flügelmutterfiguren, Punches, Zyklopen und Altäre
Gramm-, Kilo- und Räderfiguren
Atlasse
Begehbare Kulturstationen
Assoziationen weckende Plastiken
Zeichnung und Druckgrafik
Verbrennungsaktionen
Eisenassemblagen
Holzassemblagen
Denkmalpflegerisches Engagement

    
Bernhard Luginbühl
Meistens unterwegs: Stationen des turbulenten Lebens des Bernhard Luginbühl
Der Künstler Bernhard Luginbühl ist auch ein wortgewaltiger Schreiber. Hier erzählt er von seiner Kindheit im Berner Lorraine-Quartier und seinen künstlerischen Anfängen.

André Kamber
Die Luginbühls, eine Familie als künstlerische Werkgemeinschaft
Das Anwesen der Luginbühls in Mötschwil war für viele Künstler ein produktiver Treffpunkt, auch die vier Luginbühl-Kinder waren aktiv in diese künstlerische 
Werkgemeinschaft integriert.

Werner Haftmann
Von Atlassen, Sisyphussen, Zyklopen, Titanen und von Apollo und Dionysos
Mit Sachkenntnis und Humor beschreibt der ehemalige Direktor der Berliner Nationalgalerie das kuratorische Abenteuer, die ungestüme Kunst Bernhard Luginbühls in den erhabenen Museumsneubau von Mies van der Rohe zu platzieren.

Bendicht Luginbühl
Der Schwermetall-Freigeist Bernhard Luginbühl als Berner Rebell
Bernhard Luginbühl als Rebell seiner Zeit, gesehen von einem anderen bekannten Emmentaler gleichen Namens.

Bernhard Luginbühl im Gespräch mit Isolde Schaffter-Wieland
«Meine Verbrennungen sind wie ein Theaterspektakel»
Bernhard Luginbühl erzählt über seine Freude am Feuer­machen und sein neues Dasein als Urgrossvater. 

Ursi, Jwan und Brutus Luginbühl im Gespräch mit Oliver Prange
«Wir sprachen nie über Kunst»
Für seine Ehefrau genauso wie für die Kinder war Bernhard Luginbühl ein imposanter und omnipräsenter Mensch. 

Peter Sager
«Eisen macht glücklich»
Anfang der Achtzigerjahre schuf Luginbühl in Hamburg auf Initiative des Zeit-Magazins eine Eisenplastik und erläuterte in Tagebuchskizzen seine Arbeit.

Bernhard Luginbühl im Gespräch mit Esther Maria Jenny
«Für mich ist immer die schönste Zeit»
Präzise und humorvoll hat Bernhard Luginbühl in Tagebüchern seine Karriere als Künstler festgehalten.

Bernhard Luginbühl und Fritz Trippel im Gespräch mit Jost Auf der Maur
«Wir beide sind doch Schlitzohren»
Zwei Urgesteine der Schweizer Kulturlandschaft unterhalten sich über Besessenheit, grosse Hände und ihre Mütter.

Gert Gschwendtner im Gespräch mit Oliver Prange
«So wie heute geht es nicht mehr weiter»

Ab durch den Berg


  Du 867 | Juni 2016 | Bernhard Luginbühl

Bernhard Luginbühl

Meister der Skulptur

Vor fünf Jahren starb Bernhard Luginbühl, einer der grössten Schweizer Künstler. Er wurde 82 Jahre alt. Luginbühl hat ein gigantisches Werk hinterlassen. Noch heute bezaubern die Arbeiten des Eisenplastikers, Zeichners und Druckgrafikers. Man staunt vor seinen Plastiken, die Kraft und Energie ausstrahlen und Assoziationen auslösen. Er traf den Nerv seiner Zeit. In den Fünfziger- und Sechzigerjahren arbeiteten einige Künstler mit Eisen – mit Jean Tinguely war er eng befreundet. 
Im Alter von 27 Jahren vertrat er die Schweiz 1956 an der Biennale in Venedig. 1963 hatte er in New York eine Einzelausstellung, 1964 nahm er an der Documenta III in Kassel und nochmals an der Biennale in Venedig teil. Zudem trat er an drei Weltausstellungen auf: Montreal 1967, Osaka 1970 und Sevilla 1992. 
Der renommierte Leiter der Berner Kunsthalle, Arnold Rüdlinger, förderte ihn. In Zürich vermittelte die Galerie Renée Ziegler seine Werke an Sammlungen und Ausstellungen.
Luginbühl schuf seine eigene Aura, indem er sich als «Chrampfer» präsentierte, nicht als Schöngeist, sondern als volkstümlicher Handwerker. So trat er stets im Overall auf und sprach, wie ihm der Schnabel gewachsen war. Der monumentale Metzgerssohn feierte aus­­gelassene Feste mit riesigen Buffets, an welchen eine illustre Gäste­schar zusammenkam.
Tagsüber arbeitete er an seinen Skulpturen, nachts an seinen umfangreichen Tagebüchern, die er mit grosser Erzähllust schrieb. Luginbühl war die Deutungshoheit über seine Kunst wichtig. Deshalb dokumentierte er sein Schaffen selbst. Dass es ihm möglich war, ein so grosses Werk zu schaffen, hat er auch seiner Frau Ursi zu verdanken, die seine Muse und Stütze war und die ganze Familie durch dick und dünn zusammenhielt. Sie bot dem sensiblen, aufbrausenden und getriebenen «Bärni» einen sicheren Hafen. Selbst Künstlerin, nahm sie sich zurück, wie auch seine drei Söhne Brutus, Basil und Jwan, die schon früh in der Werkstatt waren. Luginbühls Zuhause war der Kreis der Familie im Emmental, im Unterschied zu Tinguely, der weltläufiger war und sich gern auch in der «besseren Gesellschaft» aufhielt. 
Luginbühl wurde einem breiten Publikum bekannt, weil seine Ausstellungen jeweils ein Event waren: seine drei Retrospektiven 1972 im Kunsthaus Zürich, 1989 in der Reithalle und im Kunstmuseum Bern und 2003 im Museum Tinguely in Basel. Zu sehen waren riesige Maschinen, die spassige Bewegungen ausführten. Die Atlasse mit den rumpelnden und polternden Kugeln sorgten für gute Stimmung. 
Seine beste Ausstellung ist sein Skulpturenpark im bernischen Mötschwil. Dort lebte und arbeitete er. 59 Skulpturen und eine Landparzelle hat er in die Bernhard Luginbühl Stiftung eingebracht. Seine Kunstwerke stehen dort inmitten von exotischen Pflanzen: Gunnera, Mammutbäumen, Bambus, Hängebuchen und Tulpenbäumen. 
Berühmtheit erlangte Luginbühl auch wegen seiner rituellen Verbrennungsaktionen, die zu grossen faszinierenden Veranstaltun­gen wurden. Bei Feuerwerk, Musik und Essen wurden riesige Holz­figuren verbrannt, die durchaus auch einen politischen Zweck hatten. Luginbühl machte dadurch aufmerksam auf die Zerstörung des Lebensraumes, den Abriss alter Häuser, Zersiedelung und masslosen Strassenbau. 
Du hat sich für diese Ausgabe im Skulpturenpark Mötschwil umgesehen und mit seiner Frau und den Söhnen gesprochen.