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Du 894 | Juli/August 2019
Masken
ISBN:
978-3-905931-93-8
Preis:
CHF 20.- / EUR 15.-

Status:
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Inhalt Du 894

Hans Belting
Der einzige Ausdruck
Man sagt, dass das Gesicht das Bild von einem Menschen forme. Doch ist nicht jede Miene unseres Antlitzes eine eigene Maske, die wir auch zur Täuschung einsetzen können? Was unterscheidet also Maske und Gesicht? Und welche Rolle spielt dabei unser Körper?

Portfolio: Ofer Wolberger
Yasmin Afschar und Madeleine Schuppli
Sein, wer man auch ist
In der Kunst spielt die Maske von jeher eine bedeutende Rolle. Sie war und ist Mittel, um die komplexen Fragen des Selbst zu behandeln, um Rätsel und Mehrdeutigkeit zu erschaffen. Ein Streifzug. 

Simon Starling im Gespräch mit Oliver Prange
Geister zum Leben erwecken
Der Künstler Simon Starling hat in seiner Karriere schon öfter mit Masken gearbeitet. Durch sie verbindet er westliche und fernöstliche Kultur. Ein Gespräch über seine spezielle Beziehung zu Japan und der Tradition des N-o-Theaters. 

Cindy Sherman im Gespräch mit Tim Adams
«Ich fühle mich jetzt etwas wohler dabei, Teile von mir durchscheinen zu lassen»
Die Fotografin Cindy Sherman hat sich in ihrer Kunst fort­­laufend in verschiedene Frauenfiguren verwandelt. Sie zeigt, welche Bandbreite an Gesichtern ein einzelnes Gesicht bereithält. Bei einem Besuch in ihrem Studio erzählt sie, warum Verkleidung seit ihrer Kindheit fester Bestandteil ihres Lebens ist. 

Portfolio: Charles Fréger
Hans Belting im Gespräch mit Ursula Scheer
«Das Auge in der Maske gewinnt immer über das Auge in einem offenen Gesicht»
Ein Gespräch mit dem Kulturwissenschaftler Hans Belting über den Unterschied zwischen Maske und Vollverschleierung und über die Freiheit, die Maskierung bietet. 

Udo Thiedeke
Vor und hinter der Bühne
Masken erlauben uns, Identitäten zu wechseln. Doch sie bestehen nicht nur aus Papier, Plastik oder Holz. Wir tragen sie auch unsichtbar für andere im Alltag und wenn wir uns im Netz mit anderen austauschen. 

Felix Petty
Verschmelzungen
Vor knapp zwei Jahren kuratierte der belgische Modedesigner Walter Van Beirendonck eine Ausstellung über Masken im Rotterdamer Wereldmuseum. Es lohnt sich ein Blick zurück, denn Van Beirendonck zog eine ungewöhnliche Verbindung zwischen Stammeskultur und Moderne, zwischen Ethnografie und Mode. 

Portfolio: Anne Schubert
Philip Bethge
Täuschend echt
Die Masken der Gegenwart und der Zukunft sind digital. Künstliche Intelligenz ermöglicht perfekte Fälschungen, Gesichter werden verfremdet, Köpfe auf andere Körper gesetzt. Nie war es so leicht, Identitäten zu übernehmen, sich als jemand anderes auszugeben. Was bedeutet das für unser Zusammenleben?

Portfolio: Gauri Gill


  Du 894 | Juli/August 2019 | Masken

Masken

Die Verwandlung

Von Oliver Prange

Seit Jahrtausenden benutzen Menschen Masken, um ihr Selbst zu überschreiten und in andere Rollen zu schlüpfen. Masken gehören zu den ältesten Artefakten, waren Teil ritueller und kultischer Zeremonien. Später dienten sie zum Spiel mit Identitäten auf der Theaterbühne oder am Karneval. Bis heute geht es bei der Maskierung um Transformation, Verwandlung und die Erweiterung des Selbst. Masken ermöglichen, das Ich als Rollenspiel zu begreifen. Die Maske ist eine künstliche Abdeckung des Gesichts, des Kopfes, des ganzen Körpers aus Holz, Rinde, Leder, Metall oder einem anderen Material, roh oder bemalt, angepasst an die jeweilige Verwendung: Vermummung, Rüstung, Tarnung, Totem, Verschleierung, Werkzeug des Schauspiels, Schutz des Sportlers. Die Maske ist auch heute noch allgegenwärtig, selbst in der politischen Diskussion – aktuell um die Gesichtsverschleierung islamischer Frauen in Europa. In der bildenden Kunst in Europa entstand gemäss dem Kulturwissenschaftler Hans Belting das Porträt, als die Maske nach der Antike in den Bereich der Alltagskultur verbannt worden war. Hier lebt sie vor allem im Karneval und in anderen Volksbräuchen fort. Aber auch das Selbstbildnis selbst ist eine Maske, ob gemalt, gemeis­selt oder fotografiert, denn im Moment der Bildwerdung erstarrt das Gesicht zur Maske. Die Maske ist eine Art zweites Gesicht, das über dem eigentlichen Gesicht getragen wird. Sie ist eine verbergende Hülle, eine trennende Schicht zwischen dem Menschen und seiner Umwelt. Und ist unser Gesicht selbst nicht oft eine Maske, die unsere Emotio­nen verbergen soll? Im vorliegenden Du versuchen wir, auch auf diese Frage eine Antwort zu finden, und schauen uns an, welche Rolle die Maske in der Kunst, in der Mode oder in der digitalen Welt hat. Die Ausgabe entstand anlässlich der Ausstellung MASKE – In der Kunst der Gegenwart im Aargauer Kunsthaus. Sie wird vom 1. September 2019 bis 5. Januar 2020 zu sehen sein, die Vernissage findet am 31. August 2019 um 18 Uhr statt.