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Du 943 | August 2026
Rolf Brem
ISBN:
978-3-907315-42-2
Preis:
CHF 20.- / EUR 15.-

Status:
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Inhalt Du 943


Hanspeter Gschwend
Der konservative Revolutionär 
Nun sei er «weltberühmt in Meggen», erklärte Rolf Brem, nachdem Harald Szeemann 1992 seine Porträtköpfe für den Kunstpavillon der Schweiz an der Weltausstellung in Sevilla ausgewählt hatte. Die Aussage ist charakteristisch für den Witz und die hintergründige Bescheidenheit Brems, der Erfolg jedoch das Ergebnis seines beharrlichen künstlerischen Schaffens. 

Elsbeth Hobmeier
Rolf Brem erzählt 

Lucie Heskett-Brem im Gespräch mit Oliver Prange
Die Schmuck-Künstlerin
Lucie Heskett-Brem hat von ihrem Vater gelernt, dass Humor fast immer hilft. Sie war früher eine Rebellin, schätzte es aber, dass der bekannte Name Türen öffnen konnte. 

Louis Brem im Gespräch mit Oliver Prange
«Eine gute Geschichte muss nicht wahr sein, sie muss stimmen» 
Das Zitat seines Vaters hat Louis Brem geprägt. Der Fotograf lernte von ihm das intuitive Erfassen. Wie sein Vater macht er die Dinge aus Freude, nicht weil sie sich vielleicht lohnen könnten. 

Sibylle Severus
Horror Vacui oder die Angst vor der Leere 
Die Idee für den Bilderzyklus Horror Vacui bestand für den Fotografen Louis Brem auch darin, die Vielfalt der Welten seines Vaters und dessen wildes, intensives Schaffen zu zeigen. 

Rudi Bindella
rolf brems bildhauerkunst machte uns zu freunden 

Elsbeth Hobmeier
Die Barbatti-Geschichte
Das Restaurant Barbatti blickt auf eine über hundertjährige Geschichte zurück. Einst war es Treffpunkt und Heimat vieler Individualisten. 

Rolf Brem
Der Geschichtenerzähler
Rolf Brem konnte die Menschen zum Lachen bringen. Er war ein brillanter Geschichtenerzähler. Viele Erlebnisse brachte er auch zu Papier, in der ihm eigenen Prosa. Hier drei Beispiele aus seinem Gesamtwerk. 

Altes Tessiner Haus zu verkaufen 
Ich habe eine Frau für Sie 
Mama, Mama!

Katharina Bursztyn
Begegnung mit Rolf Brems Skulpturen 
Skulpturen im öffentlichen Raum begegnen uns meist beiläufig. Drei Beispiele zeigen, wie unterschiedlich Rolf Brems Werke mit den sie Betrachtenden in Beziehung treten: mal einladend und nahbar, mal distanziert, mal werden sie beinahe übersehen. Zwischen Alltagsraum und Kunst entfaltet sich so ein stiller Dialog – oder eben auch nicht. 

Elsbeth Hobmeier
Stimmen
Zur Eröffnung des Restaurants Barbatti 2013 erschien ein Booklet, in dem Brems Wegbegleiter sich zu seinen Ehren äussern. Hier ein Ausschnitt. 

Biografie


  Du 943 | August 2026 | Rolf Brem

Rolf Brem

Mit den Händen sehen

Bei einem Mittagessen mit Rudi Bindella in seinem Zürcher Restaurant Terrasse fielen mir Plastiken auf, welche die Atmosphäre des Ortes stark prägen. Weder kannte ich den Künstler noch die Geschichte dahinter. Wie sich herausstellte, handelte es sich um ­Bindellas Lieblingskünstler Rolf Brem. Bindella bot seinem engen Freund Brem in seinen Restaurants eine Alltagsbühne und machte seine Werke einem breiten Publikum zugänglich. Als er 2011 das ­Barbatti-Haus in Luzern erwarb, widmete er das wieder eröffnete ­Restaurant dem Lebenswerk Brems. Das Barbatti hat eine hundert­jährige Geschichte und galt einst als Künstlertreffpunkt. Auch Brem feierte dort nächtelang am Künstlerstammtisch. Es war eine Heimat für ­Individualisten. Brems Frauenfiguren strahlen Schönheit und Erotik aus, ohne aufdringlich zu wirken. Sie sind einfach da und machen Freude am Leben in der Zeit, da man im Lokal sitzt, bei Speis und Trank und Gespräch. Ihr Dasein hatte bis dahin nur intuitiv auf mich eingewirkt, erst jetzt, da ich den Hintergrund kannte, weckten die Plastiken mein Interesse und meine Faszination für den Künstler, der 2014 verstorben ist. Es stellte sich bei dem Gespräch weiter heraus, dass Brem in diesem Jahr hundert Jahre alt geworden wäre. Und so kam Rudi Bindella auf die Idee, ein Du zu Brems Ehren herauszugeben, welches hier vorliegt. Nicht zum ersten Mal erscheint der Luzerner Künstler im Du. Die Qualität seines Schaffens hatte bereits der damalige Chef­redaktor Manuel Gasser in der Augustausgabe von 1959 dargestellt. Rolf Brem war auch bekannt für seine Porträts. Hunderte davon schuf er in seinem Leben, unter anderem von dem Schriftsteller ­Günter Grass, dem Künstler Hans Erni, dem Banker Rainer Gut, dem Flötisten James Galway und dem Rohstoffhändler Marc Rich. Porträtieren war für ihn ein Abenteuer. Rolf Brem konnte mit den Händen sehen. «Die Hände sehen mehr als die Augen, wenn ich modelliere. Das Gehirn ist dabei ausgeschaltet.» So erklärte er, wie er die Persönlichkeit eines Menschen intuitiv erfasste. Er mochte es, wenn das Erscheinen einer Person mit ihrem Wesen übereinstimmte, sie authentisch war. Brem war ein Original. Er brach alles ab, was ihm bei der Entwicklung zum eigenständigen Künstler im Weg stand: das Gymnasium, die Lehre, die Kunstgewerbeschule. Er ignorierte sogar Geldsorgen, obwohl er eine Familie hatte – er machte Sachen, wenn sie ihm sinnvoll erschienen und er von ihnen überzeugt war, nicht, weil sie sich vielleicht lohnen könnten. Es ging ihm ausschliesslich um die Freude an der Arbeit. Daheim wurde viel gelacht. Er war ein brillanter Erzähler, schrieb heitere Kurzgeschichten. Erst um die vierzig wurde Brem erfolgreich. Der bekannte ­Ausstellungsmacher Harald Szeemann gab ihm später eine Bühne an der Weltausstellung 1992 in Sevilla. Brem war glücklich. Jetzt war er «weltberühmt in Meggen», wie er befand. Mit dem Erfolg erhielt Brem auch grosse Aufträge für öffentliche Plätze und private Gärten, für Schulhäuser und Friedhöfe, Banken und Kirchen. Noch heute existiert Brems Atelier in Meggen: ein kreatives Durcheinander von Hunderten von Skulpturen in der Orangerie in einer grosszügigen Grünanlage mit Blick auf den Vierwaldstättersee. Man kann es besuchen. 2011 wurde er zum Ehrenbürger Meggens ernannt. In dieser Du-Ausgabe lässt sich eintauchen in die Welt von Rolf Brem. Zu Wort kommen Menschen, die diese Welt erkannten und sich weiter an ihr erfreuen. 

Von Oliver Prange