å
Du 944 | Oktober 2026
Hommage an Peter Nobel
ISBN:
978-3-907315-43-9
Preis:
CHF 20.- / EUR 15.-

Status:
an Lager
Abonnieren Kaufen Lesen

Inhalt Du 944

Régine Bonnefoit
Peter Nobel und Friedrich Dürrenmatt
Die erste Begegnung zwischen Friedrich Dürrenmatt und Peter Nobel ereignete sich im Jahr 1985, nachdem sich der Schriftsteller entschieden hatte, seinen Kriminalroman Justiz in 13 Folgen im Stern zu publizieren.

Markus Kaempf
Zu Ehren von Peter Nobel
Markus Kaempf hielt die Trauerrede zu Ehren von Peter Nobel am 17. Juni 2026 in der Zürcher Stadtkirche St. Peter. 

Annette Nobel im Gespräch mit Oliver Prange
«Sie erzählten sich lustige Geschichten»
Annette und Peter Nobel lernten sich beim Studium an der Hochschule St. Gallen (heute Universität St. Gallen) kennen. Im Interview erzählt Annette Nobel, wie sie die Beziehung ihres Mannes zu Friedrich Dürrenmatt erlebte.


Peter Nobel
Auch Juristen haben ein Recht, zu ihrem Recht zu kommen 
Peter Nobel war der Anwalt Dürrenmatts seit dem Jahr 1985, als der Stern beim Vorabdruck des Romans Justiz willkürlich Helvetismen streichen wollte. Daneben war Peter Nobel bis zu Dürrenmatts Tod 1990 auch dessen Sparringspartner für viele Lebenslagen und Augenzeuge historischer Augenblicke wie der berühmten «Gefängnis»-Rede in Rüschlikon. Als einschlägig gebildeter Leser sorgt Peter Nobel für sachdienliche Hinweise in den vertrackten Konstruktionen Dürrenmatts zwischen Recht und Unrecht. 

Peter Nobel
Das Wirkliche. Ein Sonderfall des Möglichen 
Mit Justiz schuf Friedrich Dürrenmatt ein herausragendes Verwirrspiel über Recht und Unrecht, Realität und Illusion. Und lieferte ganz nebenbei kurze und feine Reflexionen über die Schweiz. 

Luc Ciompi
Im Labyrinth der Seele 
Weltallbilder mit explodierenden Sonnen, suizidale Banker, bizarre Variationen des Turmbaus zu Babel, wütende Todes­engel – was ist das für ein Mensch, der solche Bilder malt? Ein Fachmann der Seele schaut genauer hin und findet überraschende Einsichten in die Seelenlandschaft des erklärten Materialisten Friedrich Dürrenmatt. 

Ulrich Weber
Play it again, Fritz!
Nachdem Dürrenmatt Ende der Sechzigerjahre einen Herzinfarkt erlitten hat, begibt er sich mit dem Stoffe-Projekt auf das Terrain des autobiografischen Schreibens.

Rudolf Käser
Kosmos und Katastrophe 
Fantastischer Visionär und zugleich radikaler Verfechter der naturwissenschaftlichen Erkenntnis: Für Dürrenmatt ist der Weltraum einerseits ein streng astronomischer Forschungs­gegenstand, den er lebenslang mit Teleskop und Tabellen erkundet. Und anderseits ein unendliches Materialfeld für seine künstlerischen Schlachten der Untergangs- und Katastrophenmetaphern. 

Friedrich Dürrenmatt
Minotaurus

Ulrich Weber
Gedankenapotheose – «Das Hirn» 
Wie entsteht unsere Wirklichkeit? Friedrich Dürrenmatt versuchte in seiner Fiktion Das Hirn Antworten auf diese Frage zu finden. Ein Besuch in Polen zog allerdings eine Überarbeitung seiner ersten Version nach sich. 

Andreas Mauz
Beulen des Zweifels 
Fragen zur Religion, zum Glauben und zu seinem Verhältnis zum Wissen, zu Ideologie und Wissenschaft durchziehen Friedrich Dürrenmatts Werk von Beginn an. Er misstraute dem religiösen Zugang zur Welt und bewunderte ihn zugleich. Und über allem steht die Frage, was der Glaube mit dem einzelnen Menschen macht. 

Christine Weder
Fett und fetter 
Viele Figuren Friedrich Dürrenmatts besitzen ausserordent­-liche Körperformen. Vernarbt, überdimensioniert, unansehnlich, tiergleich. Er spielte mit grotesken Verzerrungen. Das hat mehrere Gründe.


  Du 944 | Oktober 2026 | Hommage an Peter Nobel

Hommage an Peter Nobel

Peter Nobel und Friedrich Dürrenmatt
Gute Freunde

Jedes Jahr lud mich Peter Nobel zu sich ins Büro ein oder auch ins Ristorante Conti in der Nähe seiner ehemaligen Anwaltskanzlei an der Zürcher Dufourstrasse, um mir seine Ideen mitzuteilen, welche Themen man im Du bringen könnte. Er hatte ein kleines Notizbuch, in das er übers Jahr diese Themen einschrieb, die er mir sodann gesammelt präsentierte. Man hätte durchaus zwanzig Hefte damit machen können. Konkret entstanden so 2015 das Du über Dürrenmatts Malerei im Centre Dürrenmatt in Neuchâtel und 2020 die Ausgabe zu dessen 100. Geburtstag sowie 2022 das Heft «Hermann Hesse – 100 Jahre Siddhartha». Auch dieses Jahr wäre das Treffen wieder angestanden, doch dazu ist es nicht mehr gekommen. Peter Nobel ist unerwartet am 26. Mai 80-jährig verstorben. Zu seinen Ehren ist diese Du-Ausgabe entstanden. Es ist eine Hommage an den Anwalt und Willensvoll­strecker von Friedrich Dürrenmatt. Wir schildern in diesem Du, wie diese Männerfreundschaft 1985 entstand und sich entwickelte. Zu Wort kommen seine Frau Annette Nobel, die Präsidentin der Charlotte-­Kerr-Dürrenmatt-Stiftung Régine Bonnefoit und Kanzleipartner Markus Kaempf. Nobel war ein neugieriger Mensch und begnadeter Geschichtenerzähler. Wenn er mit Friedrich Dürrenmatt zusammen war, spornten sich die beiden gegenseitig zu den fantasie­vollsten und humorvollsten Geschichten an. Seine grosse Leidenschaft war die Jurisprudenz. Er hatte einen Sinn für Gerechtigkeit und verstand es, die Komplexität von Situationen auf ihren Kern zurück­zuführen. Er war genauso engagiert für Konzernlenker wie für seine Freunde. Er fuhr gern mit seinem roten Ferrari und pilotierte seine Cessna, aber man sah ihn hauptsächlich auf seinem alten, ­robusten Schweizer Armeefahrrad täglich durch Zürich fahren. In einem der beiden Du, aus welchen einige Texte für diese Ausgabe stammen, zitierte Peter Nobel den letzten Satz von Friedrich Dürrenmatt aus dem Roman Justiz: «Ich verlasse mein Arbeitszimmer, das nun leer geworden ist, befreit von meinen Geschöpfen. Halb fünf. Am Himmel seh ich zum ersten Mal den Orion. Wen jagt er?» 

Von Oliver Prange