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Du 942 | Juni 2026
Bergkinder

von Emil Brunner

ISBN:
978-3-907315-41-5
Preis:
CHF 20.- / EUR 15.-

Status:
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Inhalt Du 942

Paul Hugger
Der Weltenbummler aus Braunwald 
Rund 1700 Porträts von Kindern aus zwölf Dörfern des Bündner Oberlands entstanden in den Jahren 1943/44. Emil Brunner fotografierte nicht einfach Kinder, sondern schuf Bilder, die unterschiedliche Gefühle und Erfahrungen vermitteln. 

Erika Hössli
Das Leben der Kinder 
Rund dreissig Personen aus den zwölf Gemeinden, in denen Emil Brunner fotografierte, erzählen von ihrer Kindheit in den Kriegsjahren. Die Autorin hat die Geschichten in Kapitel unterteilt. 

Fridolin Walcher im Gespräch mit Oliver Prange
Auf den Spuren von Emil Brunner 
Der Fotograf Fridolin Walcher wuchs als Nachbar von Emil Brunner in Braunwald auf. In seiner Fantasie durfte er die Welt aus dessen Erzählungen bereisen. Sie haben ihn fürs eigene Leben geprägt. 

Fridolin Walcher
Wenn Gletscher nicht mehr atmen 
Der Bifertengletscher am Tödi 2017: Der Gletscher zieht sich zurück. Was einst kompakt und geschlossen erschien, zerfällt in Fragmente, legt Geröll frei, öffnet Spalten, verliert an Masse und an Kontur. Eine Fotoarbeit. 

Fridolin Walcher
Bergkinder heute und vor 80 Jahren 
Der Fotograf Fridolin Walcher hat diesen Frühling in Braunwald Bergkinder porträtiert. Was haben sie gemeinsam mit den Kindern von damals? 


  Du 942 | Juni 2026 | Bergkinder – von Emil Brunner

Bergkinder

von Emil Brunner

Bergkinder

Das Glarnerland ist ein Paradies für Bergliebhaber. Der markante Tödi, 3614 Meter hoch, und der Glärnisch mit dem bekanntesten Gipfel Vrenelisgärtli sind landschaftlich als auch alpinistisch berühmt. Dank der Flüsse und Bäche mit einem natürlichen Gefälle entwickelte sich das Tal im 19. Jahrhundert zu einer blühenden Wirtschaftsregion – mit Stoffdruckereien, Spinnereien, Webereien, die heute jedoch nicht mehr existieren. Im Sommer 2016 publizierte Du darüber eine Ausgabe: «Legler und das Glarnerland». Genau zehn Jahre später blickt Du auf ein anderes Thema dieser Naturregion. Wie lebten damals die Kinder auf den vielen Höfen, die sich abgelegen in den Bergen befinden? Sie waren abgeschnitten vom Rest der Welt, erfuhren aber die Jahreszeiten und deren Abläufe. Sie waren mit dem Flecken Erde vertraut, auf dem sie lebten, den sie bewohnten und bewirtschafteten, mit Vater, Mutter und Geschwistern. Sie waren bodenständig. Die Natur gab ihrem Leben die Richtung vor. In Braunwald lebte damals ein eigenwilliger Fotograf – Emil Brunner. Braunwald war in den Vierzigerjahren ein beliebter Tourismusort. Er liegt nicht wie andere Dörfer im Tal und eingeschlossen von Bergen, sondern erhöht auf einer Sonnenterrasse. Das vermittelt ein anderes Lebensgefühl, als wenn man sich unten im Schatten der Felswände erdrückt fühlt. Es gibt in der Schweiz nur wenig Dörfer in dieser Lage. Emil Brunner sass stets auf der Sonnenterrasse seines Chalet «Mungg» und hämmerte Texte und Bildlegenden von seinen Foto­reportagen in die mechanische Schreibmaschine. Diese erschienen in Weltmagazinen wie Paris Match, Harper’s Bazaar und Life. Wer ihn dabei beobachtete, war Fridolin Walcher, ein kleiner Junge, heute selbst ein Fotograf. Er erinnert sich, wie Brunner drei Monate im Jahr verschwand und dann plötzlich wieder auftauchte. Damals verstand er das nicht. Aber wenn er wieder da war, erzählte er ihm mit Inbrunst und hervortretenden Augen von Feuerland. In Walchers Fantasie war das ein Land, das brannte. Oder Brunner erzählte mit Wallung, er gehe nach Afrika zu den Menschenfressern. Brunner reiste um die Welt, was damals noch ein riskantes Unternehmen war. Während des Zweiten Weltkriegs jedoch war das nicht möglich. Also fotografierte Brunner in der Welt, in der er lebte. Entstanden ist daraus ein einmaliges Werk von Fotografien über Bergkinder. Rund 1700 Negative dieser Bilder sind heute in der Fotostiftung Schweiz in Winterthur. Dass diese heute dort sind, ist Fridolin Walcher zu verdanken. Als Brunner 1995 verstarb, wollte man den ganzen Nachlass in eine Mulde kippen, um das Chalet verkaufsbereit zu machen. Da aber Walcher um den Schatz wusste, der sich darin befand, konnte er mit grossen Mühen erwirken, dass das Haus versiegelt wurde. So ergab sich die Möglichkeit für den Fotohistoriker Professor Paul Hugger, sich der Sache anzunehmen. So ist Brunners Vermächtnis erhalten geblieben. Die «Bergkinder» in dieser Ausgabe erzählen davon, wie die Kindheit in den Kriegsjahren war, welche Freuden und Leiden sie erfuhren – ein Zeitzeugnis. Hierzu gibt es in diesem Sommer eine Ausstellung in Braunwald, kuratiert von Walcher. Vom 20. Juni bis 18. Oktober kann man die Bilder in den Räumen von BSINTI, auf Wanderwegen und in Weideställen betrachten. Das BSINTI, ein einzigartiger Kulturort, wurde von Fridolin Walcher und Schweizer Botschafter Benedikt Wechsler initiiert und wird seit bald fünfzehn Jahren von vielen Freiwilligen getragen. Es wurde auch von Annette Ringier massgeblich unterstützt. Dieses Kulturengagement führte letztlich auch zu diesem Du. 

Von Oliver Prang