Du 854 | Januar 1941
Peggy Guggenheim

Ein Leben für die Kunst

ISBN:
978-3-905931-48-8
Preis:
CHF 20.- / EUR 15.-

Status:
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Inhalt Du 854

Peggy Guggenheims Art of This Century
Das neue, revolutionäre Ausstellungskonzept ihrer Galerie Art of This Century entwarf der Architekt Friedrich Kiesler. 


Judith Mackrell
Von der Villa des Grauens in den geheimnisvollen Palazzo
Peggys Kindheit im Schosse einer der reichsten Familien weltweit war so unglücklich wie für diese Welt gewöhnlich: verwöhnt vom erfolgreichen Vater, kontrolliert von der ängstlichen Mutter, umzingelt von sadistischen Kindermädchen und überflüssigem Luxus. 


Stefan Moses (Bilder)
Verliebt in die neue Heimat – Peggy Guggenheim in Venedig
Der Fotograf Moses besuchte Peggy Guggenheim im Palazzo Venier dei Leoni am Canal Grande für mehrere Tage in den Jahren 1969 und 1974. Mit wenigen Ausnahmen wurden diese Bilder noch nie veröffentlicht und werden hier im Du zum ersten Mal publiziert.


Annette Seemann
«Ich bin eine befreite Frau»
Unglückliche Liebschaften, schmerzhafte Ehen, familiäre Enttäuschungen: Der Weg der Tochter aus bestem Geschäftshause zur Jahrhundertfigur als zentrale Galeristin der Moderne ist oftmals steinig und von vielen Umwegen geprägt.


Scrapbooks
Zwischen 1940 und 1979 führte Peggy Guggenheim Erinnerungsalben, in die sie Presseausschnitte, Fotos, Ein ladungen einklebte. In den insgesamt sechzehn Scrapbooks dokumentierte sie ihr Leben in der Öffentlichkeit. 


Roy Oppenheim
Peggy Guggenheim und ihre Schweizer Wurzeln
Als Sohn eines arbeitslosen Schweizer Hausierers aus dem aargauischen Dorf Lengnau wanderte Peggy Guggenheims Grossvater 1847 in die USA aus. Dreissig Jahre später gelten die Guggenheims als drittreichste Familie des Kontinents.


  Du 854 | Januar 1941 | Peggy Guggenheim – Ein Leben für die Kunst

Peggy Guggenheim

Ein Leben für die Kunst

Die einzige Konstante war die Kunst Von Oliver Prange Peggy Guggenheim wuchs in einer der reichsten Familien Amerikas auf, war aber während ihrer Kindheit unglücklich, fühlte sich in ­einem überprivilegierten Gefängnis, ohne Vertrauen, Wärme und Spass. Ihr Vater Benjamin starb beim Untergang der Titanic und hinterliess der Familie ungeordnete Finanzen. Zeit ihres Lebens pflegte sie stürmische Liebschaften zu Männern, die eine Version ihres ­Vaters waren, Männer, die sich in Welten bewegten, die sie begeisterten, aber die sich auch fern von ihr hielten. Die einzige Konstante war die Kunst. Von Gemälden und Skulpturen konnte sie nicht betrogen werden. Sie war sensibel, litt unter Depressionen und Unsicherheiten, war aber bemerkenswert belastbar. Sie war das hässliche Entlein der Familie, hatte aber Sinn für Antrieb und Anspruch, der die Guggenheims auszeichnete. Ihr Charakter war in seiner komplexen Mischung aus Arroganz und Selbstzweifel, in seiner Energie und seinem Defätismus wie ein Puzzle – für andere und auch für sie selbst. Sie konnte sich hoffnungslos dem Elend ihrer Minderwertigkeitskomplexe ergeben und hatte dennoch eine Neugier auf das Leben, einen starken Hunger auf neue Erfahrungen und einen starken Wunsch, sich selbst zu verbessern, wodurch sie immer wieder auf die Beine kam. In jungen Jahren in Paris verkehrte sie in Bars, Buchläden und Kunstgalerien an den Seine-Ufern, wo sie die Welt der Boheme kennenlernte. Sie war aber nicht so reich, wie viele glaubten, musste sorgfältig Buch führen, um sicherzustellen, dass alle anstehenden Angelegenheiten finanzierbar waren. Sie erwartete Wertschätzung und Loyalität, was ihr einige ihrer Freunde und Partner jedoch nicht geben konnten. Viele Freundschaften endeten in Feindseligkeit. Ihr ganzes Leben lang wollte Peggy ihr Geld gut einsetzen, aber sie wollte dafür auch geliebt werden. 1948 fand sie den Palazzo Venier dei Leoni in Venedig als ein Zuhause für ihre Sammlung, ein langes, niedriges Gebäude, das im seltsamen Kontrast zur Pracht einiger seiner Nachbarhäuser am Canal Grande steht. Ihre zusammengetragenen Kunstwerke wurden nach und nach als eine der besten privaten Sammlungen der Welt anerkannt, ihr Palazzo ist inzwischen eine der touristischen Attraktionen von Venedig. Sie wurde zu einer Grande Dame der Nachkriegsgeneration. In den Fünfzigerjahren bewirtete sie illustre Gäste wie Giacometti, Herbert Read, Chagall, Miró, Cocteau, Cecil Beaton, Henry Moore, Strawinsky und schuf so einen Brückenschlag zu den goldenen Jahren von Surrealismus, Dadaismus und Ballets Russes. «Venedig ist eine Stadt, in die man sich verlieben muss, sodass in deinem Herzen für nichts anderes mehr Platz ist», schrieb sie in ihren Memoiren. Seit 1985 organisiert die Peggy Guggenheim Collection Ausstellungen von Künstlern, die ihre Gründerin ebenso darbot: Giacometti, Kandinsky, Brancusi, Ernst, Motherwell, Seliger – die Avantgarde des 20. Jahrhunderts. «Im Jahre 2015 finden allein zwei Ausstellungen mit Werken von Jackson Pollock statt, den sie besonders stark gefördert hatte», sagt Philip Rylands, Direktor der Peggy Guggenheim Collection. Bis 6. April Alchemy, nachdem das Werk aufwändig restauriert worden ist, vom 23. April bis 9. November Mural, Pollocks grösstes Gemälde, das zu den wichtigsten Werken US-amerikanischer Kunst des 20. Jahrhunderts gehört. Und vom 23. April bis 14. September findet die erste Retrospektive von Pollocks ältestem Bruder Charles statt. Nichts in Peggys Leben war einfach. Aber sie hat ein Lebenswerk hinterlassen, das in seiner Art einzigartig ist.